Kostenpunkt Fuhrpark
Egal, wie viele Autos Ihre Firma besitzt, wie viele Fahrzeuge Sie privat nutzen. Wer dieses rollende Mobiliar besser verwaltet, spart selbstverständlich Kosten. Das beginnt schon bei der Zulassung. Die neuesten statistischen Zahlen zeigen, dass Österreichs Autokäufer den Hebel genau bei diesen Kosten ansetzen. 2007 gab es erstmals mehr gewerbliche als private Pkw-Neuzulassungen in Österreich.
"Darauf müssen sich Autoimporteure und Händler nun einstellen, beispielsweise mit speziellen Fuhrparkmanagement-Angeboten", meint Henning Heise von der Fuhrparkberatungsagentur best4fleet. Die besten Entwicklungen können sich die Österreicher in Bezug auf Fuhrparkmanagement ja auch vom Ausland abschauen. Seine erste Schlussfolgerung: "Es passiert im Flottengeschäft derzeit extrem viel. Die Firmen werden kommunikativer, was ein maßgeschneidertes Angebot für Firmen betrifft. Besonders die französischen Anbieter wie Citroèn oder Renault punkten aktuell. Und das kommt dem Konsumenten zugute."
Andererseits haben auch die betroffenen Unternehmen selbst über Verbesserungsmöglichkeiten hinsichtlich Kosten, Nutzung und Abschreibposten nachgedacht.
Damit ist das Outsourcing von Fuhrparks aktuell wie nie zuvor. "Denn der Fuhrpark findet immer mehr Beachtung, was das Kostenbewusstsein betrifft", betont Heise. Sein anschauliches Beispiel: "Will ich einen Fuhrpark inhouse managen, dann brauche ich schon sehr, sehr gute Leute, um hier wirklich herzeigbare Verbesserungsergebnisse zu erzielen. Ein simples Excel-Programm ist dafür nicht geeignet. Da benötigt man schon professionelle Software. Und die ist extrem teuer und rentiert sich erst ab einer Fuhrparkgröße von rund 300 Fahrzeugen."
Die Praxis bestätigt die Theorie In Österreich sind mehr als 80.000 Autos im Rahmen von Fuhrparks outgesourct. Der Löwenanteil wird dabei von Leasingfirmen gemanagt: 2007 waren es genau 72.271 Fahrzeuge. Die Zahl steigt kontinuierlich, auch weil die öffentliche Hand hier mitzieht. Die Steigerungsrate beträgt rund zehn Prozent pro Jahr. Allein im Jahr 2007 konnten die Leasinggesellschaften 26.721 Verträge mit einem Volumen von 458 Millionen Euro neu abschließen.
Einsparungspotenzial von bis zu zwanzig Prozent
Und diese Steigerungsrate erscheint logisch, wenn man das Einsparungspotenzial mittels optimaler Fuhrparkverwaltung bei realistischen zehn bis zwanzig Prozent ansetzt. "Aber es kommt schon auch darauf an, welche Vorgaben erfüllt werden müssen und wie flexibel ein Fuhrparkmanager seine Vorgaben durchsetzen kann", relativiert der best4fleet-Experte. "Es gibt ja auch Weltkonzerne, die global eine gewisse Automarke oder Fahrzeuggröße für alle Manager einer gewissen Hierarchieebene verordnen. Dass hier vielleicht regional bessere Ergebnisse erzielt werden könnten, liegt auf der Hand."
Zu den Kosten konkret: Eine gute Fuhrparkverwaltung kostet mindestens 15 Euro pro Fahrzeug und Monat. Wird diese Leistung günstiger angeboten, so kann etwas nicht stimmen, da sollte man dann besonders vorsichtig sein und das Angebot hinterfragen. Heise: "Schließlich zahlt am Ende immer der Kunde drauf." Diesen mindestens 15 Euro muss man aber eine zehnprozentige Kostenersparnis dank des Fuhrparkmanagements entgegenhalten, also rund 100 Euro.
Unter dem Strich: Rechnet man das gegen die normalen und unvermeidlichen Kfz-Betriebskosten auf, muss man für ein Auto durchschnittlich 800 Euro pro Monat veranschlagen - was eben doch günstiger als die ansonsten rund 900 Euro ist.
Mit Insidertipps fährt man höchstwahrscheinlich noch günstiger.
Tipp: Für größere Unternehmen macht es beispielsweise Sinn, mit mehreren externen Fuhrparkmanagern zu arbeiten.
Jeder Anbieter kalkuliert ein wenig anders. Bei einem sind spezielle Automodelle günstiger als bei anderen Fuhrparkmanagern und umgekehrt. Bleibt man bei einem Anbieter, muss man - wenn man verschiedene Typen in seinem Fuhrpark haben will - auch die teuren mitzahlen. "Nehme ich aber beide Fuhrparkmanager, kann ich mir immer das günstigste Angebot aussuchen", erklärt Heise. Rudolf Fric, Geschäftsführer der Bawag-PSK-Leasing und gleichzeitig auch Präsident des Verbands Österreichischer Leasing-Gesellschaften (ÖLV), betont, dass man auch nicht alle Verantwortung außer Haus geben darf: "Das Outsourcing eines Fuhrparks bedeutet nicht, dass sich niemand mehr in der Firma mit den Fahrzeugen beschäftigt. Sie werden einen guten Mitarbeiter brauchen, der die Car-Policy des Unternehmens auch gegenüber dem Fuhrparkmanager durchsetzt. Und diesen Experten brauchen Sie auch, wenn es um jährliche Kontrollgespräche geht, nach denen die Verträge vielleicht angepasst werden müssen."
Vorsicht vor verschiedenen Leasing-Formen
Aber Heise und andere Experten sehen im heimischen Fuhrparkgeschäft nicht nur ungetrübten Sonnenschein: "Das vielerorts angebotene und gepriesene Operating Leasing ist eindeutig der große Wermutstropfen beim Fuhrparkgeschäft - man kann es eigentlich niemandem empfehlen.
Denn den angeblichen Steuervorteil gibt es nicht, über die Laufzeit bleibt der Aufwand gleich, er verschiebt sich nur." Der entscheidende, vom Gesetzgeber verordnete Nachteil des Operating Leasing: Der Kunde darf die Kalkulation nicht kennen, der Leasinggeber darf sie nicht nennen. Das bedeutet, dass hier nur über den Preis verhandelt wird.
Das dicke Ende kommt dann mit Vertragsende, weil verschiedene Kosten nicht eingeplant waren. "Der Kunde soll deswegen auf Restwert-Leasing bestehen", argumentiert man bei best4fleet. Nur so sieht er, wie und was kalkuliert wurde. Ein weiterer entscheidender Vorteil: Er kann damit auch während der Vertragsdauer jederzeit die erbrachten Leistungen kontrollieren.
Die Leasing-Gesellschaften stehen solchen Forderungen gar nicht so ablehnend gegenüber. Verbandspräsident Fric: "Also bei den heutigen konjunkturellen Aussichten hat doch niemand an Restwert-Risken, wie beim Operating-Leasing, Interesse. Solche Futures und ähnliche Wetten können da leicht ins Auge gehen. Wir haben deswegen kein ausgeprägtes Interesse an Operating Leasing.
Unterm Strich fahren auch wir mit Restwert-Leasing besser." Aber muss es überhaupt immer Leasing und Fuhrparkmanagement sein, um seine firmenbedingten Mobilitätskosten besser in den Griff zu bekommen? Nicht unbedingt. Eine brauchbare Alternative zum Fuhrparkmanagement kann auch eine Langzeitmiete sein. Wenn beispielsweise ein Fahrzeug für einen oder mehrere Mitarbeiter nur vier bis acht Monate gebraucht wird. Oder wenn im Betrieb eine extrem hohe Mitarbeiterfluktuation herrscht. Es gibt hier die klassischen Angebote der großen Mietwagenketten von Hertz über Avis und europcar bis Sixt.
Hier muss man aber auf das vorhandene Fahrzeugangebot zurückgreifen. Wer Sonderwünsche hat, kann sich beispielsweise an das Wiener Unternehmen Führer (http://www.fuehrer-gmbh.at/) wenden. Dort werden die Autos ganz genau nach den jeweiligen Vorstellungen und Wünschen des Kunden bestellt - und es kostet auch nicht mehr.
Zwei Argumente: Kosten oder Komfort Fric will als Leasing-Spezialist selbstverständlich diesen Markt nicht kampflos der Konkurrenz überlassen: "Man muss schon in Betracht ziehen, dass wir als professionelle Fuhrparkmanager auch Techniker im Haus sitzen haben. Das bedeutet: Wir kontrollieren intern jede Werkstattrechnung, lassen uns kein zusätzliches Service aufschwatzen, decken aber auch schwarze Schafe unter den Mitarbeitern auf, die sich ihr Firmenauto vergolden lassen." Auch hier seien bis zu fünf Prozent zusätzlich an Kosteneinsparungen möglich.
All diese erwähnten Kosteneinsparungen sind natürlich erst ab einer gewissen Fuhrparkgröße realistisch. Für Karlheinz Sandler, Geschäftsführer der Raiffeisen Leasing GmbH, liegt diese kritische Marke bei fünf Fahrzeugen: "Aber dennoch gibt es auch zahlreiche Freiberufler, die Fuhrparkmanagement für ihr Einzelfahrzeug in Anspruch nehmen. Da überwiegt dann der Convenience-Faktor. Und wenn ich mich um meine Autoausgaben nicht mehr kümmern muss, ist das ja meist nicht nur ein Komfortmerkmal, sondern bei dieser Berufsgruppe auch ein Einsparungspotenzial."
Aber selbstverständlich ist nicht nur die Wahl des richtigen Fuhrparkmanagers entscheidend für ein Kostensenkungsprogramm. Wie beeinflusst die richtige Fahrzeugwahl die betriebswirtschaftliche Rechnung? In der Praxis erstaunlich wenig. Branchenmeinungen zufolge steigen Firmenkunden derzeit keineswegs auf kleinere Autos um. Nach wie vor sind VW Passat, Audi A4 oder A6 die klassischen Fuhrparkautos. "Nach meiner Erfahrung hat noch kein Unternehmer seine Flotte wegen Spritverbrauchswerten downgesized", sagt Heise. Fric relativiert: "Bleiben wir beim Beispiel VW. Dort ist in den vergangenen Jahren und Modellzyklen der Golf Variant in die Kategorie des früheren Passat Variant gewachsen. Also wird heute der günstigere Golf genommen." Wo sich beide einig sind: Die CO2-Werte werden diskutiert. Firmen bauen in ihrer Car-Policy zusehends den Umweltgedanken mit ein. Und das kommt beispielsweise BMW mit seiner Werbestrategie der "efficient dynamics" zugute. best4fleet bietet auch auf der Homepage einen CO2-Fleet-Check an. Man gibt hier die jeweilige Fuhrparkgröße an, wie viel Sprit man pro Jahr für wie viele gefahrene Kilometer ausgibt und erhält als Ergebnis den CO2-Abdruck des Unternehmens. Damit kann man einerseits - vielleicht - nach außen werben. "Andererseits werden aber immer mehr Unternehmer selbst umweltkritisch, beruhigen damit vielleicht ihr Gewissen", glaubt man beim Berater.
Oft entscheidend: Vorsteuer und Farbe
Entscheidend ist auch, ob ein Fahrzeug - wenn’s kein Mitarbeiteroder Chefvehikel ist - vorsteuerabzugsberechtigt ist. Die aktuelle Situation für alle die derzeit auf diese Art und Weise beim Autokauf sparen wollen: Wer keine Normverbrauchsabgabe (NoVA) beim Autokauf zahlen will, muss auf Komfort verzichten, sich einen (Klein-)Lkw zulegen. Dazu muss er weder selbstständig noch Unternehmer sein. Beim Kauf eines Lkws fällt nie die NoVA an. Für den Vorsteuerabzug muss man dagegen selbstständig, also umsatzsteuerpflichtig, sein. Ob für den gewünschten Klein-Lkw oder Kleinbus (Minivan) aber tatsächlich ein Vorsteuerabzug möglich ist, entscheidet das Finanzministerium.
Willkür? Vielleicht. Auf jeden Fall ist die Sachlage höchst unübersichtlich. Nur die vom Ministerium veröffentlichten Listen geben stichhaltige Auskunft darüber, ob das gewünschte Modell vorsteuerabzugsberechtigt, ob es als Klein-Lkw oder Kleinbus eingestuft ist.
Die aktuellen Listen gibt es entweder direkt beim Finanzministerium (http://www.bmf.gv.at/MeinFinanzamt/Fachinformation/Umsatzsteuer/Listedervorsteuerab_5549/_start.htm), beim ARBÖ oder ÖAMTC. Und das Sparen beim Kaufen muss weder bei Fahrzeuggröße oder Sprit noch bei Steuereinstufung oder Umweltbonus aufhören. Haben Sie schon einmal an die Farbe Ihrer Firmenflotte gedacht? "Stichwort Corporate Design", argumentiert Fric. "Manche Unternehmen suchen für ihre Flotte eine auffallende, aber später praktisch unverkäufliche Farbe aus. Wir helfen, indem wir vor Vertragsbeginn beispielsweise das Auto mit einer Spezialfolie beschichten, die man nach der Nutzungsdauer wieder ohne Schaden entfernen kann. Und damit kann ich auch den Restwert höher ansetzen." Richtiges Fuhrparkmanagement ist offensichtlich manchmal entsetzlich einfach. Man muss nur die richtigen Tricks und Tipps kennen.
TEXT CHRISTIAN JÖRG
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