Optimismus ungebrochen
Hat sich auch der durchschnittliche Zahlungsverzug gegenüber dem Vorjahr mit sechs Tagen nicht verändert, so gibt es doch 2011 abermals Positives zu berichten: Das durchschnittliche Zahlungsziel wurde seit der letzten Umfrage um zwei Tage gekürzt und beträgt nun 24 Tage. Unterm Strich müssen also Österreichs Unternehmen nur noch 30 Tage auf die Bezahlung ihrer Leistungen warten, das sind zwei Tage weniger als noch vor einem Jahr.
Öffentliche Hand bessert sich.
Ob es der EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Zahlungsverzug vom Februar 2011 zu verdanken ist, dass die öffentliche Hand nun ihren Verpflichtungen rascher nachkommt? Bereits fast 76 % der Befragten bestätigen, dass sie innerhalb des Zahlungsziels ihre Rechnungen begleicht. Immerhin 44 % der österreichischen Unternehmen zählen die öffentliche Hand zu ihrem Kundenkreis. Umso erfreulicher ist es, dass die Gläubiger nun zwei Tage schneller ihre Forderung erhalten, skizziert Mag. Johannes Eibl, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH: „Wir haben schon oft die Benachteiligung der Unternehmen, die Geschäfte mit der öffentlichen Hand machen, aufgezeigt. Für manche dieser Gläubiger ist die späte Zahlung existenzbedrohend. Auch wenn hier noch einiges an Verbesserungspotenzial vorhanden ist, so scheint nun doch zumindest etwas Bewegung in den starren Apparat der vergangenen Jahre zu kommen. Offensichtlich bedarf es doch manchmal einer Verordnung, wenn man Fortschritte erzielen möchte." Allerdings gibt es auch bei der öffentlichen Hand ein signifikantes West-Ost- Gefälle. Lediglich drei Tagen Zahlungsverzug in Vorarlberg stehen stolze neun Tage in Wien und NÖ gegenüber.
Die braven Zahler sitzen im Westen.
Die Hitliste der korrekten Zahler wird einmal mehr von Vorarlberg angeführt, das sich mit vier Tagen Zahlungsverzug sogar um einen Tag verbessern konnte. Gleichauf liegen die Oberösterreicher, deren Zahlungsverhalten sich gegenüber 2010 nicht verändert hat. Die meiste Geduld müssen, wie schon in den Vorjahren, die burgenländischen Gläubiger aufbringen: Sie warten mit 33 Tagen am längsten auf die Begleichung ihrer Forderungen. Ähnlich stellt sich das Bild bei den Privaten dar: Das Burgenland weist mit 23 Tagen die längste Zahlungsdauer auf, das sind um fünf Tage mehr als im Vorjahr. Auf den geringsten Zahlungsverzug können auch hier die Oberösterreicher stolz sein: Die derzeit zwei Tage bedeuten eine Verbesserung von drei Tagen. Die Kärntner hingegen haben sich um diese drei Tage verschlechtert, das bedeutet, dass Kärntner Privatkunden nun im Schnitt acht Tage Zahlungsverzug aufweisen.
Von Nord nach Süd.
Kann man in Österreich von einem West-Ost-Gefälle sprechen, so stellt sich international ein Gefälle von Nord nach Süd dar. In Skandinavien wird die Zahlungsmoral hochgehalten: Finnland zum Beispiel weist eine Zahlungsdauer von 27 Tagen auf. Am anderen Ende der Skala finden sich Griechenland (110 Tage), Italien (103 Tage), Spanien (99 Tage) und Portugal (92 Tage).
Was tun, wenn der Kunde nicht zahlt?
Fast 50 % der befragten Firmen setzen Maßnahmen zur Einbringung ihrer Forderung, unabhängig von ihrer Höhe. 9 % hingegen werden erst bei mehr als EUR 1.000 aktiv, und immerhin 13 % unternehmen überhaupt nichts. Für Johannes Eibl ist das mehr als eine bloße Nachlässigkeit: „Wir erleben tagtäglich, dass Unternehmen ihre Leistungen sorgfältig erbringen und dann bei der Rechnungslegung schlampig sind. Und wenn sie schließlich doch Rechnung legen, lassen sie es oft dabei bewenden. Zahlt der Kunde, ist es gut, zahlt er nicht, wird das nicht geahndet, ja oft nicht einmal bemerkt. Es gibt wenige Unternehmen, die sich das auf längere Sicht leisten können." Dass es manchmal mit der Administration nicht zum Besten steht, bestätigt auch die Studie: Fast 44 % der Befragten sehen in der ineffizienten Verwaltung ihrer Kunden die Schuld für verspätete Zahlungen.
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Bundesland |
Zahlungsziel | Zahlungsverzug | Zahlungsdauer |
| Vorarlberg | 24 (-2) | 4 (–1) | 28 (–3) |
| Oberösterreich | 25 (-3) | 4 (0) | 29 (–3) |
| Kärnten | 23 (–5) | 7 (+3) | 30 (–2) |
| Steiermark | 25 (–1) | 5 (0) | 30 (–1) |
| Niederösterreich | 25 (–1) | 5 (0) | 30 (–1) |
| Wien | 24 (–2) | 7 (0) | 31 (–2) |
| Salzburg | 26 (+1) | 6 (–1) | 32 (0) |
| Tirol | 25 (–1) | 7 (+3) | 32 (+2) |
| Burgenland | 24 (+1) | 9 (–2) | 33 (–1) |
Zum Thema: Johannes Nejedlik, Vorstand der KSV1870 Holding AG
In den vergangenen Jahren war es immer wieder die öffentliche Hand, die Zahlungen unnötig lang verschleppte und damit so manchen Lieferanten in die Bredouille brachte. Wir haben diesen Missstand aufgezeigt und eine bessere Zahlungsmoral eingefordert. Jedoch gilt es auch hier zu differenzieren, denn nicht immer verfügen die öffentlichen Stellen über die geeigneten Möglichkeiten, sich selbst liquid zu halten. Ein Beispiel dafür sind die Gemeinden, die ja bekannterweise zumeist alles andere als reich sind. Was aber ihre Außenstände anlangt, haben viele von ihnen die Nase vorn, oder anders gesagt: Könnten sie diese Forderungen in absehbarer Zeit einbringlich machen, würde dies einen nicht unbeträchtlichen Teil der so dringend benötigten Mittel in die Gemeindekassen spülen. Genau dies wird ihnen aber vom Gesetzgeber erschwert. Sie dürfen keine Hilfe in Anspruch nehmen und müssen sich - Personalnot hin oder her - selbst um das Inkasso ihrer Außenstände kümmern. Ein effizientes Forderungsinkasso aber ist aufwändig, es erfordert Ressourcen, und zwar nicht nur personelle, sondern auch jede Menge Zeit, Planung und Know-how. Also ist es kein Wunder, dass viele Gemeinden über ihr Geld nur in der Theorie verfügen, während in der Praxis ihre Schuldner damit arbeiten.
Weitere Artikel lesen Sie im Forum KSV1870 2011/04.
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