forum.ksv: Bonität im Angebot
Martin Puaschitz: Der KSV1870 hat als staatlich bevorrechteter Verein vor über 140 Jahren seine Arbeit als Gläubigerschützer aufgenommen. Heute begleiten Sie als Unternehmensgruppe die österreichische Wirtschaft. Wie kann man sich das vorstellen?
Johannes Nejedlik: Gestern wie heute ist der KSV1870 dem Gläubigerschutzgedanken uneingeschränkt verpflichtet. Unser Tätigkeitsfeld umfasst dabei drei Säulen: die Vertretung der Interessen von Gläubigern im Insolvenzverfahren, wobei dieser Service im Verein verankert ist, die Unterstützung bei offenen Forderungen durch Inkasso und die Vorsorge durch Auskünfte und Bonitätsmonitoring im Rahmen des unternehmerischen Risikomanagements. Die Bereiche Inkasso und Auskünfte werden seit 2008 durch eigene Gesellschaften abgewickelt. Alle internen Servicedienstleistungen sind in der KSV1870 Holding AG gebündelt. Durch diese Struktur ist die Unternehmensgruppe optimal aufgestellt.
Als Jungunternehmer baut man das Geschäft erst auf, und es gilt, die meist bescheidenen Mittel sparsam einzusetzen. Ist es nicht illusorisch, dass man für Auskünfte Geld ausgeben soll, wenn man die wenigen Kunden am Beginn ohnehin kennt?
Nur weil man einem Geschäftspartner vertraut, heißt das noch lange nicht, dass er finanziell gut dasteht, und genau darum ist ein professionelles Risikomanagement auch bei Jungunternehmern ein Muss. Unreflektierte Geschäftsentscheidungen, Partnerschaften mit mehr oder weniger Unbekannten oder falsche Kreditentscheidungen wirken sich rasch dramatisch auf die Handlungsfähigkeit von Unternehmen aus. Der Traum von der Selbstständigkeit ist dann rasch ausgeträumt. Damit Geschäfts- und Kreditrisiken vermieden werden und Liquidität gesichert bleibt, bietet der KSV1870 Prophylaxeprodukte wie Auskünfte und Monitoring an.
Warum soll ich als Jungunternehmer Auskünfte über mich selbst an Wirtschaftsauskunfteien erteilen? Welche Informationen will der KSV1870 über mein Unternehmen wissen, und warum muss ich meine Daten bekannt geben?
Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, es ist vielmehr ein Gebot der Fairness. Unternehmen, die nicht bereit sind, ihre Karten auf den Tisch zu legen, müssen damit rechnen, dass ihr Verhalten Niederschlag in den angebotenen Konditionen findet. Nicht nur in Krisenzeiten müssen Risiken entsprechend kalkuliert werden. Ein gutes Rating ist also nicht nur dem Image förderlich, sondern auch dem Bankkonto. Wer Transparenz bei anderen fordert und selbst nicht dazu bereit ist, ist im Geschäftsleben sehr schnell im Out.
Wie unterscheidet sich eine Wirtschaftsauskunftei von einer Ratingagentur, und was kann man sich von einer Auskunft erwarten?
Wir arbeiten nicht im Auftrag und auf Rechnung des zu beauskunftenden Unternehmens. Im Gegensatz zu Ratingagenturen führen wir Informationen aus verschiedenen Quellen zusammen, wir recherchieren auch im Unternehmensumfeld, bei Banken und Lieferanten. Eine Durchleuchtung des betreffenden Unternehmens bis ins Mark, also etwa eine Due-Diligence-Prüfung, führen wir hingegen nicht durch. Wirtschaftsauskunfteien wie die KSV1870 Information GmbH bewerten die Bonität von Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt, um deren Lieferanten und Geschäftspartnern Orientierung zu bieten. Unser Ziel ist es, unseren Mitgliedern und Kunden eine Basis zu bieten, auf der sie ihre Geschäftsentscheidungen fällen können.
Was passiert, wenn einer meiner Kunden insolvent wird und ich auf meinen Forderungen sitzen bleibe?
Das muss kein Totalverlust sein. Österreich hat ein solides Insolvenzrecht, das Sanierungen begünstigt - in vielen Ländern ist das anders. Im Rahmen eines Sanierungsverfahrens ist es möglich, 20 bis 30 % seiner Forderungen zurückzubekommen, bei Konkursen sind es rund 10 %. Zweifelsfrei ist es in diesen Fällen aber von Nachteil, auf offene Rechnung geliefert zu haben. Die Entscheidung, welche Zahlungsmodalität angewendet wird, sollte daher frühzeitig und im Hinblick auf die Bonität des Kunden getroffen werden.
Man möchte als Unternehmer Forderungen zwar pünktlich hereinbringen, andererseits aber keinesfalls Kunden verlieren, auch wenn sie einmal nicht fristgerecht zahlen. Ist mit der Übergabe zum Inkasso die Kundenbeziehung nicht beendet?
Die Übergabe zum Inkasso ist sicherlich eine gewisse Form der Eskalation. In der Regel haben aber schon davor die Gläubiger selber zahlreiche Versuche unternommen, um die offenen Forderungen zu betreiben. In der Praxis tritt daher ein Inkassobüro wie die KSV1870 Forderungsmanagement GmbH nicht völlig unerwartet auf den Plan. Betroffen ist meist ein harter Kern, der es „darauf ankommen" lassen hat, oder es gibt Liquiditätsprobleme. In diesem Fall fungieren wir auch als Vermittler und treffen in Abstimmung mit unserem Kunden Vereinbarungen mit dem Schuldner. Immer wieder sehen wir, dass Unternehmen bei Zahlungsschwierigkeiten - auch bei temporären - den Kopf in den Sand stecken und die Kommunikation abbrechen. Durch unsere Betreibung kommen die Gespräche oftmals wieder in Gang, und es können Lösungen erarbeitet werden. Gläubiger sollten generell nicht zu lange zuwarten, denn je jünger die Forderung ist, umso größer die Chance, sie einbringlich zu machen.
Wie verlässlich sind die Daten? Woher erhält der KSV1870 die Informationen über meinen Betrieb? Wie oft werden meine Daten aktualisiert?
Wer eine Auskunft bestellt, erhält bereits vorweg das Datum der Gültigkeit, d. h. der Aktualität, und kann sich dann entscheiden, ob er die vorliegende Auskunft abruft oder eine Neurecherche in Auftrag gibt. Mehr als 100 Info-Experten sind täglich im Einsatz, um unsere Wirtschaftsdatenbank zu aktualisieren. Basis dafür sind viele Quellen, wie z. B. Bilanz-, Grundbuch- und Firmenbuchdaten, Gewerbeberechtigungen, Inkasso- und Insolvenzinformationen, Bankauskünfte, um nur einige zu nennen. Für das KSV-Rating werden über 20 Faktoren herangezogen, was es zu einer sehr verlässlichen Entscheidungsgrundlage macht: In 85 % aller Insolvenzen wird bis zu zwölf Monate vor Eintreten der Insolvenz ein KSV-Rating von 400 oder schlechter angezeigt.
Welche Informationen werden von Jungunternehmern weitergegeben? Wie setzt sich die Bewertung zusammen?
Einflussfaktoren bei der Beurteilung von Jungunternehmern sind Branchenzugehörigkeit, Rechtsform, aber auch die Person des Gründers sowie die fundierten Erfahrungen unserer Experten. Natürlich liegen über junge Unternehmen andere Informationen vor als bei etablierten, das sind vor allem recherchierte Daten, aber noch keine Bewertung oder Angaben zu ihrer Zahlweise. Gerade dies ist ein weiterer Grund, warum Gründer Daten weitergeben sollten. Sie vervollständigen damit ihr Profil und vermitteln ihren zukünftigen Geschäftspartnern Transparenz und Sicherheit. Eine Top-Bonität ist eine Auszeichnung für ein Unternehmen, und letztlich komplettiert sie auch das eigene Angebot an die Kunden.
Kann ich in meine Daten einsehen?
Selbstverständlich. Wir raten auch sehr dazu, von der Möglichkeit der Selbstauskunft Gebrauch zu machen. Einmal pro Jahr ist dieser Abruf Ihrer Daten auch kostenlos möglich. Jedes Unternehmen sollte sehr genau über sein Rating Bescheid wissen. Unsere Experten informieren Sie im Rahmen eines Ratinggespräches auch gerne darüber, welche Fakten zur Berechnung herangezogen wurden und welche Daten für eine Neuberechnung notwendig sind. Die Mitarbeiter des KSV1870 unterstützen Sie dabei jederzeit gerne.
Wie werde ich Mitglied beim KSV1870? Gibt es einen Jungunternehmerrabatt? Welche Vorteile habe ich als Jungunternehmer, wenn ich beim KSV1870 Mitglied bin?
Für Jungunternehmer macht es absolut Sinn, beim KSV1870 Mitglied zu sein, da wir diese in der oft schwierigen Aufbauphase unterstützen. Sie sind in den ersten drei Jahren vom Mitgliedsbeitrag befreit und erhalten zusätzlich Gutscheine über KSV1870 Serviceleistungen im Wert von EUR 500 pro Jahr. Hinzu kommen zahlreiche weitere Benefits: Insolvenzmitteilungen wöchentlich per E-Mail, ein Rechtsanwaltsservice, Seminare der KSV1870 Akademie, die Mitgliederzeitschrift forum.ksv und natürlich ein Zugang zu den Online-Services über „My KSV". Bei den Insolvenzen sehen wir leider immer wieder, dass viele Jungunternehmer betroffen sind, das hat uns dazu bewogen, dieses Paket zu schnüren und zu unterstützen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Fotocredit: Anja Kaiser - Fotolia.com
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