KSV1870 Pressekonferenz zum Insolvenzjahr 2009

Niemanden wird es verwundern, dass die Unternehmenspleiten im Jahr 2009 in die Höhe gegangen sind. Das hatten wir alle genauso erwartet. Tatsächlich hielt sich der Zuwachs durchaus in Grenzen.

Newsbild

UNTERNEHMENSINSOLVENZEN 2009
Hochrechnung

Die Zahl der eröffneten Verfahren stieg um 14,4 % auf 3.742 Fälle - die Zahl der mangels Masse abgewiesenen Konkurse um über 3 % auf 3.151 Fälle.

Insgesamt gab es bei den hochgerechneten Unternehmensinsolvenzen einen Anstieg von 9,2 % auf 6.893 Fälle. Damit bleibt das Insolvenzgeschehen 2009 hinter der Erwartung zurück, und der bisherige Spitzenwert aus dem Jahr 2005 mit über 7.000 Insolvenzfällen wird damit nicht übertroffen oder auch nur eingestellt.

Insolvenzen von Unternehmen machen betroffen, zu allererst die Eigentümer und Inhaber der Unternehmen, dann aber die dort Beschäftigten und die Gläubiger. Die Bedeutung für die Wirtschaft lässt sich anhand der betroffenen Dienstnehmer und der Verbindlichkeiten am besten verdeutlichen. Im Jahr 2009 ist die Zahl der von Insolvenzen betroffenen Dienstnehmer um 34 % auf 28.400 angestiegen und die Schulden der insolventen Unternehmen betrugen mit knapp über 4 Mrd. Euro sogar fast 37 % mehr als im Vorjahr. Auch diese Schuldenhöhe ist kein Rekord - das Jahr 1995 (Konsum) hatte höhere Insolvenzpassiva aufzuweisen.

Zusammengefasst: Es war ein schwieriges Jahr für die Wirtschaft, doch blieben die Insolvenzen spürbar hinter der Erwartung (12 - 15 %) zurück. Österreichs Wirtschaft hat sich als robuster erwiesen als wir das erwartet hatten.

Unternehmensinsolvenzen

2009 2008 Veränderung
Eröffnete Insolvenzen 3.742 3.270 + 14,4 %
davon bereinigte gerichtliche Ausgleiche 41 42 - 2,4 %
davon Konkurse und Anschlusskonkurse 3.701 3.228 + 14,7 %
Mangels Masse abgewiesene Konkursanträge 3.151 3.045 + 3,5 %
Gesamtinsolvenzen 6.893 6.315 + 9,2 %
Geschätzte Insolvenzverbindlichkeiten in EUR 4,1 Mrd. 3,0 Mrd. + 36,7 %


Ein schönes Land - ein gutes Land
Österreich steht mit diesen Zahlen verhältnismäßig gut da, jedenfalls im internationalen Vergleich. Schon zum Halbjahr war absehbar, dass es praktisch in allen Industrieländern zu satten zweistelligen Zuwachsraten kommen würde. Österreich liegt mit einem noch knapp „einstelligen" Zuwachs am unteren Ende dieser Skala - und ist somit auch besser als der europäische Schnitt von ca. 35 %.

Das hat zweifellos mit der guten inländischen Liquidität zu tun: Österreicher sind Nettosparer - Österreicher haben Geld, und haben es im Jahr 2009 auch ausgegeben: für Wärmedämmung, Hausrenovierung, für schon lang geplante Anschaffungen und auch für das eine oder andere neue Auto.

Dabei zeigen aber die österreichischen Bundesländer zum Teil erhebliche Divergenzen in der Entwicklung des Insolvenzgeschehens:
Die starken Zuwächse kamen 2009 aus den westlichen Bundesländern Salzburg und Oberösterreich. Die Steiermark dagegen hatte z. B. schon 2008 eine deutlich überdurchschnittliche Zuwachsrate, sodass es 2009 zu einer nur schwachen Entwicklung auf hohem Niveau kam. Die östlichen Bundesländer haben die Insolvenzwelle 2009 noch wenig zu spüren bekommen - Wien liegt zwar im Mittelfeld, doch Niederösterreich deutlich darunter und Burgenland vollends gegen den Trend mit etwas über minus 6 %.

Welche Branche hat es wie getroffen?
Die Analyse der betroffenen Branchen hatte schon im Jahr 2008 erkennen lassen, dass vor allem die industrielle Fertigung, die Exportgüterindustrie und Transport hart getroffen wurden. Dieser Trend hat sich 2009 deutlich verstärkt.

Ausblick auf 2010
Die Insolvenzentwicklung in Österreich blieb mit 9,2 % hinter der Erwartung des Vorjahres spürbar zurück. Österreich kann sich aber von der allgemeinen Entwicklung nicht vollkommen abkoppeln. Wenn wir vor einem Jahr davon ausgingen, dass jene Branchen, die es am raschesten und damit als erste getroffen hat, auch am schnellsten wieder „aus dem Wald" herauskommen werden, so ist heute zu konstatieren, dass die Kapazitätsanpassung (Reduktion) vielfach noch nicht stattgefunden hat. So wurde bis dato weltweit keine einzige Autofabrik geschlossen. Es sind aber genau solche Kapazitätsreduktionen erforderlich, bevor die auf dem Markt verbleibenden Unternehmen wieder mit Gewinnen rechnen können. Je länger diese Reduktion daher auf sich warten lässt, desto später und schleppender wird der Aufschwung kommen. Mit diesem Aufschwung schon 2010 zu rechnen, erscheint daher als verfrüht und zu optimistisch. Das Jahr 2010 wird z. B. die Nachwirkungen der Schrottprämie spüren, die ja nur einen (möglicherweise teuer erkauften) Vorzieheffekt hatte. Die angepeilte sanfte Landung muss noch stattfinden.

Daher ist für 2010 mit keinem Rückgang der Insolvenzen zu rechnen, sondern mit einem weiteren Anstieg. Und der wird nicht schwächer ausfallen als 2009, sondern tendenziell stärker. Der KSV1870 erwartet daher für 2010 einen weiteren Zuwachs der Unternehmensinsolvenzen von 12 % gegenüber 2009. Von Entwarnung kann damit noch keine Rede sein.

Die Detailzahlen sowie den ausführlichen Insolvenzkommentar finden Sie untenstehend im Download bereitgestellt.

 

PRIVATINSOLVENZEN 2009
Hochrechnung

Wo es Schulden gibt, darf es auch Probleme geben: Österreicher haben Geld, sie haben aber auch Schulden. Das Verhältnis dieser beiden Faktoren ist grundsätzlich in Ordnung, denn das Geldvermögen der Österreicher übersteigt locker die Schulden der Österreicher. Dass es sich dabei um jeweils verschiedene Personengruppen handelt, versteht sich von selbst: die einen haben es - die anderen schulden es.

Im Jahr 2009 wurde für 9.076 Personen ein Privatkonkursverfahren eröffnet. Das waren um 7 % mehr als im Jahr davor. Der Zuwachs erscheint schwach, gemessen an den Turbulenzen in der Wirtschaft und an den Zuwächsen bei den Insolvenzverfahren über Unternehmen (14,4 % Zuwachs). Das hat damit zu tun, dass ein Privatkonkursverfahren in Österreich nur dann zu einer Entschuldung führt, wenn auch tatsächlich Zahlungen an die Gläubiger geleistet werden können. Und die Fähigkeit regelmäßig zahlen zu können, nimmt in Zeiten schwacher Konjunktur und eines „gedrückten" Arbeitsmarktes eher ab. Springt dann die Konjunktur wieder an, verbessert sich der Arbeitsmarkt, und es kommt zu stärkeren Zuwächsen beim Privatkonkurs. Das war in den vergangenen 14 Jahren so und lässt sich auch für 2009 gut beobachten.

Privatkonkurse 2009

2009 2008 Veränderung
Eröffnete Schuldenregulierungsverfahren 9.076 8.480 + 7,0 %
Geschätzte Insolvenzverbindlichkeiten 1.130 Mio. 1.039 Mio. + 8,8 %


Die Zuwächse kommen nicht gleichmäßig aus allen Bundesländern: Es lassen sich regionale Unterschiede beobachten und erklären:
Wien ist in der Vergangenheit immer das oder eines der am stärksten wachsenden Bundesländer gewesen. Schulden sind ein städtisches Phänomen und Schulden sind auch ein Phänomen, das stark mit Migrationshintergrund zu tun hat. Nicht sosehr deshalb, weil nicht in Österreich geborene Personen schlechte Zahler wären, sondern weil ihre Beschäftigungsverhältnisse nicht so stabil sind, wie die der Inländer. In schwierigen Zeiten verlieren sie offenbar früher die Anstellung, in schwierigen Zeiten sinkt ihr Einkommen. Sie sind bei den pragmatisierten Dienstverhältnissen deutlich unterrepräsentiert. Das zeigt sich dann spürbar bei den Insolvenzzahlen. Da der Privatkonkurs zumeist auf Eigenanträgen der Schuldner beruht, signalisiert er auch eine Bereitschaft und das Wollen, die bestehenden Schulden in den Griff zu bekommen. Also signalisieren hohe Insolvenzzahlen nicht nur das verbreitete Vorhandensein von Schulden, sondern auch eine Form der über die Insolvenz hinaus weiterwirkenden Zahlungsmoral.

Die Detailzahlen sowie den ausführlichen Insolvenzkommentar finden Sie untenstehend im Download bereitgestellt.

Für den Inhalt verantwortlich:
Dr. Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz

Rückfragenhinweis:
Karin Stirner, Leiterin KSV1870 Unternehmenskommunikation
Telefon 050 1870-8226, e-Mail: stirner.karin@ksv.at

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