Insolvenzursachen 09: Die Krise als Deckmantel

Die Zahl der Insolvenzen ist 2009 um 9,3 Prozent gestiegen - die Krise an sich ist aber nur in wenigen Fällen die eigentliche Ursache. Denn 80 Prozent der Insolvenzen sind auf persönliches Versagen, wie betriebsinterne Fehler (42 %), Fahrlässigkeit (15 %), Kapitalmangel (14 %) oder persönliches Verschulden (9 %), zurückzuführen. Betriebsinterne Ursachen weiter am häufigsten, externe Auslöser nur leicht gestiegen.

Newsbild Trotz Krise werden nur 18 Prozent der Pleiten durch externe Auslöser verursacht - ein Plus von zwei Prozent im Vergleich zu 2008. Dies geht aus der aktuellen KSV1870 Insolvenzursachenstatistik hervor. Zwar hat die Krise nicht unmittelbar zu einem massiven Anstieg bei den externen Ursachen geführt, seit 2005 (13 %) steigen die externen Auslöser aber kontinuierlich. Rückläufig hingegen ist das fahrlässige Handeln der Manager: Seit 2005 hat sich der Wert um sieben auf 15 Prozent 2009 verringert.

„Viele der 2009 insolvent gewordenen Unternehmen haben schon vor der Krise zu hart am Limit kalkuliert, oder hatten mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Krise samt Konjunkturabschwung kam dann quasi als Tüpfelchen auf dem „i" dazu. Die eigentlichen Ursachen sind Fehl- oder Nichtentscheidungen des Managements, aber auch betriebsinterne Probleme, beispielsweise mangelnde Planung oder Kalkulationsfehler", analysiert Johannes Nejedlik, Geschäftsführer des Kreditschutzverband von 1870. Wie in den vergangenen Jahren wird das Ranking der Insolvenzursachen auch 2009 wieder von innerbetrieblichen Fehlern (42 %) angeführt. Die Ursache steigt mit plus zwei Prozent im Vergleich zu 2008 weiter an. „Mehr Planung, mehr Controlling und mehr Weitblick - das lege ich den heimischen Unternehmen, insbesondere den KMU, dringend ans Herz", empfiehlt Nejedlik.

Durch Unwissenheit in die Misere
Dass das fahrlässige Handeln als Insolvenzursache seltener wird, bewertet der KSV1870 als positiv. „Der rückläufige Trend ist ein gutes Zeichen für die Wirtschaft, zeigt er doch, dass die Führungsmannschaften in Unternehmen zunehmend professioneller und kompetenter agieren. Insolvenzen aufgrund von mangelndem wirtschaftlichen Grundwissen, Unerfahrenheit oder Fehler bei Unternehmensgründungen sind besonders bitter, weil sie am ehesten zu vermeiden wären. Vor diesem Hintergrund kann eine gute Ausbildung und kompetente Beratung bei Bedarf nicht hoch genug geschätzt werden", so Nejedlik. Anders ist das bei der Ursache „persönliches Verschulden" - eine Insolvenzursache, die 2009 mit neun Prozent zu beziffern ist. Denn zwei Drittel davon entfallen auf „betrügerisches Handeln", also vorsätzlich herbeigeführte Insolvenzen. Typisches Beispiel dafür sind die vielen betrügerischen Bauinsolvenzen - besonders in Wien. Hier werden Unternehmen gegründet, deren Konkurs von Beginn an eingeplant war.

Externe Ursachen: Es kam aus dem Nichts
Die externen Auslöser für Unternehmenskrisen sind - nicht überraschend - in den vergangenen Jahren gestiegen: Der Wettbewerb ist schärfer geworden. So sind im Jahr 2009 rund ein Fünftel der Unternehmenspleiten auf externe Faktoren zurückzuführen. „Heute können wir konstatieren, dass das Management tendenziell immer weniger mit schlagkräftigen Ideen aufwartet, um etwa auf veränderte Marktbedingungen oder Konkurrenzsituationen zu reagieren", analysiert Dr. Hans-Georg Kantner, Leiter Insolvenz beim KSV1870. Ein weiterer Klassiker in diesem Bereich - wenn auch auf niedrigem Niveau (2009: 3 %) - sind Insolvenzen aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten bzw. Insolvenzen von Abnehmern und Lieferanten. „Gutes Debitorenmanagement und eine ausgewogene Kundenstruktur bewähren sich, dies zeigt sich spätestens, wenn Folgeinsolvenzen ins Haus stehen", weiß der Insolvenzexperte.
Insgesamt plädiert Kantner aber dafür, die Kirche im Dorf zu lassen: „Jährlich gehen nur knapp zwei Prozent der aktiven Unternehmen in Österreich pleite - mehr als 98 Prozent bewähren sich Jahr für Jahr. Und dort hat das Management durch Geschick, rechtzeitiges kompetentes Reagieren auf Veränderungen, Einfühlungsvermögen und Weitblick wohl auch zumindest 80 Prozent Anteil am Erfolg."

Insolvenzursachen im Detail 2009

Fahrlässigkeit

·      Ungenügende Kenntnis des praktischen Wirtschaftslebens, mangelnde Branchenkenntnis,
Fehlen einer geordneten Betriebs- und Rechnungsprüfung

 5 %  
·      Unvermögen der differenzierten Beurteilung der Wirtschaftsvorgänge, Gründungsfehler, Unerfahrenheit 9 %  
·      Veranlassung und Durchführung von übermäßigen Investitionen und überflüssigen Betriebserweiterungen  1 %  15 %

Externe Auslöser/Verlustquellen

·      Geänderte Marktlage, ausländische bzw. inländische Konkurrenzsituation, Kreditrestriktionen, Lohn- und Steuererhöhungen usw.

 15 %  
·      Insolvenz von Abnehmern 2 %  
·      Ausfall von Lieferanten 1 % 18 %

Fehler bzw. Verlustquellen im innerbetrieblichen Bereich

·      Fehlen des unbedingt notwendigen kaufmännischen Weitblicks, der rationellen Planung bei Funktionsänderungen, Absatzschwierigkeiten

 34 %  
·      Kalkulationsfehler, Produktionsmisserfolge 5 %  
·      Mangelnde Beobachtung der Vorkommnisse in der Wirtschaft, Angebot-Nachfrage, Zinsen- und Kostensteigerungen, Umstrukturierungen, Differenzen in der Geschäftsführung usw.  3 %  42 %

Persönliches Verschulden
·      Überhöhte Entnahme im Privatbereich 1 %  
·      Spekulationen 0 %  
·      Vernachlässigung der Geschäftsführung 2 %  
·      Betrügerische Handlungen 6 % 9 %

Kapitalmangel 
·      Das im Unternehmen vorhandene Eigenkapital ist zu gering, um den vom Betrieb
geforderten Aufwand zu befriedigen
 13 %  
·      Unterschätzung der verfügbaren Eigenmittel mit der Absicht, Fremdkapital einzusetzen 1 % 14 %

Sonstige Ursachen

·      Krankheit

2 %  
·      Unglücksfälle durch höhere Gewalt 0 %  
·      Sonstige Ursachen, die außerhalb der Einflusssphäre des Unternehmens liegen, z.B. Versorgungsschwierigkeiten mit Rohmaterialien, Streiks usw.  0 %  2 %

Gesamt 100 %

Den ausführlichen Kommentar von Dr. Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz lesen Sie im untenstehenden Download.

Rückfragenhinweis:
Karin Stirner
Leiterin Unternehmenskommunikation
KSV1870 Holding AG
Telefon: 050 1870-8226
e-Mail: stirner.karin@ksv.at

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