765 Menschen pro Monat pleite

Die KSV1870 Analyse zeigt: Schuldenfreies Leben gesucht - Männer und Städter in der Lebensmitte besonders betroffen

Wien, 21.7.2010

Pro Monat wurde im ersten Halbjahr 2010 über 765 Österreicherinnen und Österreicher im Schnitt ein Schuldenregulierungsverfahren („Privatkonkurs") eröffnet. Damit haben insgesamt 4.588 Menschen den ersten Schritt in Richtung Entschuldung gesetzt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stagnieren die Zahlen.

Wer aber sind die Menschen, die in den Privatkonkurs schlittern? Eine Aufteilung nach Geschlecht zeigt: Männer (64 %) sind ungleich öfter betroffen als Frauen (36 %). „Dies ist besonders darauf zurückzuführen, dass ein großer Teil der Männer ehemalig selbständig tätig war und daraus resultieren nicht selten Bürgschaften. Sind sie Alleinverdiener in Familien, dann laufen auch die Kreditverbindungen über sie und somit auch ein Schuldenregulierungsverfahren", analysiert Dr. Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz.

Ursachen: Eins führt zum anderen
Rund 25 Prozent der Privatkonkurse resultieren aus gescheitertem Unternehmertum. Bei ihnen sind auch die Passiva mit durchschnittlich EUR 121.000 pro Person sehr hoch. „Echte Private" machen 88 Prozent aus, durchschnittlich sind sie mit Forderungen in der Höhe von EUR 55.000 konfrontiert. „Bei dieser Gruppe wirken zumeist mehrere Insolvenzursachen zusammen. Große Verschuldungsgefahr geht von prekären Beschäftigungsverhältnissen, Einkommensverschlechterungen bis hin zur Arbeitslosigkeit aus. Private Probleme wie eine Scheidung (Stichwort Alimente und doppelte Kosten der Haushaltsführung), Mithaftungen für den Partner (Bürgschaften) oder Außenstände bei Versandhandel und Telekomunternehmen tragen das Ihre dazu bei", so der Insolvenzexperte.

Lebensmitte als Misere
Menschen im Alter zwischen 30 und 50 verursachen 60 Prozent der Privatkonkurse. „Dies ist jene Zeit, in der Familien gegründet, Wohnräume beschafft oder verbessert und Autos gekauft werden. Getätigt werden also große Investitionen, zumeist durch Kredite mit eher langen Durchlaufzeiten. Hinzu kommen die laufenden Kosten der Lebensführung", so Kantner. Jüngere und ältere Menschen sind hingegen deutlich weniger betroffen. So sind Menschen im Alter von 20 bis 30 mit 17 Prozent gleich oft von Insolvenzen betroffen wie Privatpersonen im Alter von 50 bis 60. Jugendliche bis 20 sind mit null Prozent vor dem Privatkonkurs so gut wie gefeit, gilt er doch als vorläufiger Endpunkt einer zumeist langjährigen und nachhaltigen Verschuldungphase.

Urbaner Raum betroffen
Unabhängig von der Altersgruppe treten Privatkonkurse gehäuft im städtischen Raum (69 %) auf. Wenig überraschend weist Wien (1.906) die höchste Zahl an Privatkonkursanten auf, gefolgt von Oberösterreich (619) und Niederösterreich (412). Ähnlich viele Insolvenzen gibt es in Tirol (377), Kärnten (360), der Steiermark (354), Vorarlberg (271) und Salzburg (206). Schlusslicht ist das Burgenland mit 83 Fällen.

Entschuldung braucht Einkommen
Dreh- und Angelpunkt bei einem Schuldenregulierungsverfahren ist, dass der Schuldner einen Teil der offenen Forderungen im Rahmen einer Quote (mindestens 10 Prozent der Außenstände) über sieben Jahre begleichen muss, um einen Rechtsanspruch auf Restschuldbefreiung zu erlangen. „Ohne Zahlungen gibt es hierzulande keine Entschuldung. Und dieses System funktioniert sehr gut. Denn 85 Prozent Betroffenen halten sich an die Zahlungsvereinbarungen und erlangen so eine Restschuldbefreiung. Ganz anders die Situation in Deutschland: Nur in zehn bis 15 Prozent der Fälle kommt es überhaupt zu Zahlungen. Die betroffenen Gläubiger schauen meist durch die Finger", resümiert Johannes Nejedlik, Geschäftsführer des Kreditschutzverband von 1870.

Aus Sicht des KSV1870 ist das Schuldenregulierungsverfahren in Österreich seit seiner Einführung eine Erfolgsgeschichte. Nun wurde von Rudolf Hundstorfer, Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, eine Gesetzesnovelle eingefordert, durch die Entschuldungen wesentlich erleichtern sollen. „Eine Aufweichung der Prämisse „Ohne Zahlung, keine Entschuldung" wäre aus unserer Sicht ein falsches Zeichen. Neue Ideen und Ansätze im Umgang mit sozialen Härtefällen sind aber zu diskutieren", so Nejedlik.

Rückfragenhinweis:
Karin Stirner
Leiterin Unternehmenskommunikation
KSV1870 Holding AG
Wagenseilgasse 7, 1120 Wien
Telefon: 050 1870-8226
e-Mail: stirner.karin@ksv.at


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