Bilanzhinterlegungsmoral 2010: Bilanzieren im Verborgenen

Die Krise bewirkte mehr Offenheit, trotzdem kamen fast 45 % der heimischen Unternehmen auch in diesem Jahr ihrer Bilanzhinterlegungspflicht nicht fristgerecht (Stichtag: 30.09.2010) nach.

Newsbild Wien, 16.12.2010 - Hinterlegten 2009 noch 55 % der Unternehmen ihre Bilanz beim Firmenbuch verspätet oder gar nicht, so waren es 2010 erfreulicherweise um 10 % weniger, die der Öffentlichkeit den Blick auf ihre Geschäftsergebnisse verwehren. Von diesen 45 % hinterlegten 10 % gar nicht, die restlichen 35 % stellten lediglich veraltete Bilanzdaten (2008 oder älter) zur Verfügung. Mehr als 31 % der Nicht-Hinterleger haben ein KSV-Rating von 400 oder darüber und damit ein erhöhtes Insolvenzrisiko - das ist ein Plus von 3 % im Vergleich zum Vorjahr.

Wie wichtig eine transparente Geschäftsgebarung für einen funktionierenden Wirtschaftskreislauf ist, darauf weist Johannes Nejedlik, Vorstand der KSV1870 Holding AG, immer wieder hin: „Die Weltwirtschaftskrise, die ja auch eine Vertrauenskrise war, hat offensichtlich bei vielen Unternehmen ein Umdenken, hin zu mehr Transparenz, bewirkt. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, da langfristige und für beide Seiten vorteilhafte Geschäftsbeziehungen eine solide Basis brauchen. Und eine solche gibt es nicht, wenn einer der Partner mit verdeckten Karten spielt."

Bundesländervergleich:
2010 befanden sich unter den Nicht-Hinterlegern 31 % an Unternehmen mit erhöhtem Ausfallsrisiko. Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre, wonach bonitätsschwache Unternehmen seltener ihre Bilanzen hinterlegen als bonitätsstarke, weiter fort. In Kärnten allerdings scheinen andere Gründe fürs Nicht-Hinterlegen vorzuherrschen: Obwohl die meisten Bilanz-Sünder in Kärnten beheimatet sind (66 %), weisen im südlichsten Bundesland lediglich 24 % der Nicht-Hinterleger eine erhöhte Gefährdung laut KSV-Rating (400 und darüber) auf. Das ist der geringste Wert aller Bundesländer (siehe Tabelle). Die korrektesten Hinterleger sind in Oberösterreich beheimatet, wo nur 27 % ihrer Hinterlegungspflicht nicht pünktlich nachkommen.

Bundesland nicht/zu spät hinterlegt davon erhöhtes Risiko
Kärnten 66 % 24 %
Wien 52 %       35 %
Steiermark 49 % 30 %
Burgenland 46 % 32 %
Vorarlberg 46 %       25 %
Niederösterreich 45 % 33 %
Salzburg 39 %       32 %
Tirol 31 % 29 %
Oberösterreich 27 %       30 %

Insolvente Unternehmen hinterlegen seltener:
Von den 2.663 eröffneten Insolvenzverfahren in Österreich waren 1.146 veröffentlichungspflichtige Unternehmen betroffen. Davon hatten 989 Unternehmen nicht oder verspätet (rund 80 %) ihre Bilanzen beim Firmenbuch hinterlegt. Für Johannes Nejedlik kein überraschendes Ergebnis: „Eine Hauptursache für Insolvenzen ist in schlechtem Management und mangelnder buchhalterischer Sorgfalt zu finden. Dass Unternehmen, die keiner geordneten Betriebs- und Rechnungsprüfung unterliegen, ein erhöhtes Ausfallrisiko haben, ist eine Tatsache. Aber, wie schon erwähnt, hat die Krise viele dazu gebracht, sich auf Grundwerte zurückzubesinnen. Ich persönlich hoffe sehr, dass diese auch bei stabiler Wirtschaftslage weiterhin Bestand haben werden."

Gründe für die Nicht-Hinterlegung auf einen Blick:

• Verweigerer aus Tradition:
Lange Zeit war es hierzulande üblich, sich in punkto Unternehmenskennzahlen bedeckt zu halten. Der Sinn einer Veröffentlichung wurde nicht erkannt bzw. akzeptiert. Bei diesen traditionellen Verweigerern ist ein Umdenken erst längerfristig zu erwarten.

• Zu geringer Stellenwert der Bilanzhinterlegung in Unternehmen:
Für manche Unternehmen gilt: Hinterlegen ja, aber erst wenn ... Pünktlichkeit ist kein Thema, allen anderen Themen wird Vorrang eingeräumt.

• Restriktive Haltung im Hinblick auf die Informationsweitergabe:
Starker Mitbewerb und hoher wirtschaftlicher Druck führen in manchen Branchen dazu, dass taktische Überlegungen die Veröffentlichung der Bilanzzahlen verzögern.

• Kapazitätsengpässe bei Gerichten:
Die österreichischen Gerichte sind gut ausgelastet, ein Umstand, der die Ahndung bzw. Bearbeitung der Nicht-Hinterlegungen besonders in den Spitzenzeiten blockiert.

• Kosten der Hinterlegung

• Administrativer Aufwand


Rückfragenhinweis:
Karin Stirner
Leiterin Unternehmenskommunikation
KSV1870 Holding AG
Wagenseilgasse 7, 1120 Wien
Telefon: 050 1870-8226
e-Mail: stirner.karin@ksv.at


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