Optimismus ungebrochen
Fast 56 % der befragten heimischen Unternehmen schätzen die Wirtschaftslage mittelfristig als sehr gut oder gut ein, die negativen Prognosen halten sich im einstelligen Bereich. Wurden bereits im Vorjahr von 34 % der Befragten Umsatzsteigerungen angegeben, sind es 2011 sogar 48 %, die sich über höheren Umsatz freuen dürfen. Im Hinblick auf die positive Auftragslage werden 77 % ihr Personal nicht reduzieren, 19 % ganz im Gegenteil selbiges sogar aufstocken. Auch die Zahlweise untermauert die Gründe für den Optimismus: Österreich liegt mit nur 30 Tagen Zahlungsdauer weit unter dem europäischen Durchschnitt von 53 Tagen.
Vorbildliche Fieberkurve
Hat sich auch der durchschnittliche Zahlungsverzug gegenüber dem Vorjahr mit sechs Tagen nicht verändert, so gibt es doch 2011 abermals Positives zu berichten: Das durchschnittliche Zahlungsziel wurde seit der letzten Umfrage um zwei Tage gekürzt und beträgt nun 24 Tage. Unterm Strich müssen also Österreichs Unternehmen nur noch 30 Tage auf die Bezahlung ihrer Leistungen warten, das sind zwei Tage weniger als noch vor einem Jahr!
Öffentliche Hand bessert sich
Ob es der EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Zahlungsverzug vom Februar 2011 zu verdanken ist, dass die Öffentliche Hand nun ihren Verpflichtungen rascher nachkommt? Bereits fast 76 % der Befragten bestätigen, dass sie innerhalb des Zahlungsziels ihre Rechnungen begleicht. Immerhin 44 % der österreichischen Unternehmen zählen die Öffentliche Hand zu ihrem Kundenkreis. Umso erfreulicher ist es, dass die Gläubiger nun zwei Tage schneller ihre Forderung erhalten. Johannes Nejedlik, Vorstand der KSV1870 Holding AG: „Wir haben schon oft die Benachteiligung der Unternehmen, die Geschäfte mit der Öffentlichen Hand machen, aufgezeigt. Für manche Unternehmen ist die späte Zahlung Existenz bedrohend. Auch wenn hier noch einiges an Verbesserungspotenzial vorhanden ist, so scheint nun doch zumindest etwas Bewegung in den starren Apparat der vergangenen Jahre zu kommen. Offensichtlich bedarf es doch manchmal einer Verordnung, wenn man Fortschritte erzielen möchte." Allerdings gibt es auch bei der Öffentlichen Hand ein signifikantes West/Ost-Gefälle. Lediglich drei Tagen Zahlungsverzug in Vorarlberg stehen stolze neun Tage in Wien und NÖ gegenüber.
Die braven Zahler sitzen im Westen
Die Hitliste der korrekten Zahler wird einmal mehr von Vorarlberg angeführt, das sich mit vier Tagen Zahlungsverzug sogar um einen Tag verbessern konnte. Gleichauf liegen die Oberösterreicher, deren Zahlungsverhalten sich gegenüber 2010 nicht verändert hat. Die meiste Geduld müssen, wie schon in den Vorjahren, die burgenländischen Gläubiger aufbringen: Sie warten mit 33 Tagen am längsten auf die Begleichung ihrer Forderungen.
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Bundesland |
Zahlungsziel | Zahlungsverzug | Zahlungsdauer |
| Vorarlberg | 24 (-2) | 4 (-1) | 28 (-3) |
| Oberösterreich | 25 (-3) | 4 (0) | 29 (-3) |
| Kärnten | 23 (-5) | 7 (+3) | 30 (-2) |
| Steiermark | 25 (-1) | 5 (0) | 30 (-1) |
| Niederösterreich | 25 (-1) | 5 (0) | 30 (-1) |
| Wien | 24 (-2) | 7 (0) | 31 (-2) |
| Salzburg | 26 (+1) | 6 (-1) | 32 (0) |
| Tirol | 25 (-1) | 7 (+3) | 32 (+2) |
| Burgenland | 24 (+1) | 9 (-2) | 33 (-1) |
Ähnlich stellt sich das Bild bei den Privaten dar: Das Burgenland weist mit 23 Tagen die längste Zahlungsdauer auf, das sind um 5 Tage mehr als im Vorjahr. Auf den geringsten Zahlungsverzug können auch hier die Oberösterreicher stolz sein: die derzeit zwei Tage bedeuten eine Verbesserung von drei Tagen. Die Kärntner hingegen haben sich um diese drei Tage verschlechtert, das bedeutet, dass Kärntner Privatkunden nun im Schnitt acht Tage Zahlungsverzug aufweisen.
Von Nord nach Süd
Kann man in Österreich von einem West/Ost-Gefälle sprechen, so stellt sich international ein ebensolches von Nord nach Süd dar. In Skandinavien wird die Zahlungsmoral hoch gehalten: Finnland z. B. weist eine Zahlungsdauer von 27 Tagen auf. Am anderen Ende der Skala finden sich Griechenland (110 Tage), Italien (103 Tage), Spanien (99 Tage) und Portugal (92 Tage).
Was tun, wenn der Kunde nicht zahlt?
Fast 50 % der befragten Firmen setzen Maßnahmen zur Einbringung ihrer Forderung, unabhängig von ihrer Höhe. 9 % hingegen werden erst bei mehr als EUR 1.000,- aktiv und immerhin 13 % unternehmen überhaupt nichts. Für Mag. Johannes Eibl, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH, ist das mehr als eine bloße Nachlässigkeit: „Wir erleben tagtäglich, dass Unternehmen ihre Leistungen sorgfältig erbringen und dann bei der Rechnungslegung schlampig sind. Und wenn sie schließlich doch Rechnung legen, lassen sie es oft dabei bewenden. Zahlt der Kunde, ist es gut, zahlt er nicht, wird das nicht geahndet, ja oft nicht einmal bemerkt. Es gibt wenige Unternehmen, die sich das auf längere Sicht leisten können." Dass es manchmal mit der Administration nicht zum Besten steht, bestätigt auch die Studie: Fast 44 % der Befragten sehen in der ineffizienten Verwaltung ihrer Kunden die Schuld für verspätete Zahlungen.
An der KSV1870 Trendumfrage 2011 über das Zahlungsverhalten in Österreich haben im Juni 2011 mehr als 2.500 Unternehmen (Kunden und Mitglieder des KSV1870) teilgenommen. Bei den befragten Unternehmen handelt es sich großteils um kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
Rückfragenhinweis:
Karin Stirner
Leiterin Unternehmenskommunikation, KSV1870 Holding AG
Wagenseilgasse 7, 1120 Wien
Telefon: 050 1870-8226, e-Mail: stirner.karin@ksv.at
Im nachstehenden Download finden Sie die Präsentation der Trendumfrage 2011.
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