Insolvenzstatistik 2011 - Hochrechnung
Mit 3.255 eröffneten Insolvenzverfahren über Unternehmen im Jahr 2011 ist ein weiterer Rückgang um fast 8 % zu verzeichnen. Die mangels Vermögens nicht eröffneten Verfahren sanken sogar um ca. 9 %. Zusammen ergibt das 5.856 Pleitefirmen und ein Minus von 8 %.Insgesamt ist das Jahr 2011 daher ein insolvenzseitig gutes Jahr für die Wirtschaft. Die betroffenen Dienstnehmer liegen ca. 14 % unter dem Vorjahr - bei den betroffenen Verbindlichkeiten ist es gar ein Minus von 43 %.
Auch wenn die Zahlen 2010 teilweise dem ATEC-Konzern geschuldet waren (mit insgesamt EUR 1,3 Mrd. Passiva) so beträgt der Rückgang der Passiva ohne Berücksichtigung von ATEC immer noch 21 %.
Die österreichischen Unternehmen haben im Jahr 2011 teilweise solide Gewinne geschrieben - die Auftragsbücher haben sich vielfach erholt. Die österreichische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren als wesentlich robuster erwiesen als vielfach erwartet worden war.
Unternehmensinsolvenzen 2011- Hochrechnung
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2011 | 2010 | Veränderung | |
| Eröffnete Insolvenzen | 3.255 | 3.522 | - | 7,6 % |
| Nichteröffnete Insolvenzverfahren (mangels kostendeckenden Vermögens) | 2.601 | 2.854 | - | 8,9 % |
| Gesamtinsolvenzen | 5.856 | 6.376 | - | 8,2 % |
| Geschätzte Insolvenzverbindlichkeiten in EUR | 2,7 Mrd. | 4,7 Mrd. | - | 42,6 % |
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Betroffene Dienstnehmer |
20.600 | 24.000 | - | 14,2 % |
Bundsländer-Reigen
Besonders von Interesse sind die eröffneten Verfahren, da dort die Vielzahl an Beschäftigten liegt, dort die Sanierungen stattfinden und es sich insgesamt um die weitaus größeren und bedeutenderen Unternehmen handelt als bei den mangels Vermögens nicht eröffneten Fällen. Eine Analyse der Eröffnungen zeigt eine interessante Reihung nach Bundesländern:
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Bundesland |
eröffnete Fälle 2011 | eröffnete Fälle 2010 | Veränderung |
| Wien | 942 | 1.078 | -13% |
| Niederösterreich | 643 | 636 | 1% |
| Burgenland | 126 | 133 | -5% |
| Oberösterreich | 446 | 458 | -3% |
| Salzburg | 114 | 170 | -33% |
| Vorarlberg | 117 | 110 | 6% |
| Tirol | 169 | 214 | -21% |
| Steiermark | 473 | 497 | -5% |
| Kärnten | 225 | 226 | 0% |
| Gesamt | 3.255 | 3.522 | -8% |
© KSV1870 Grafik
Die Entwicklung ist dabei durchaus unterschiedlich: Während nur das Burgenland und die Steiermark im Österreichmittel liegen, spannen Bundesländer wie Salzburg mit einem Rückgang von 33 % und Vorarlberg mit einem Zuwachs von 6 % einen weiten Bogen.
Ausblick auf 2012
In der Vergangenheit haben Zinsniveau und die Bereitschaft der Geschäftsbanken, ihren Kunden unter die Arme zu greifen, viel Einfluss auf das Insolvenzgeschehen gehabt. Die österreichische Wirtschaft ist durchaus gut aufgestellt und kann im Windschatten der deutschen Wirtschaft auch international gut punkten. In den letzten 3 Jahren haben die heimischen Banken gezeigt, dass sie über ein ausgesprochen professionelles Krisenmanagement bei ihren Firmenkunden verfügen. Daraus kann die Zuversicht geschöpft werden, dass auch eventuell kommenden Problemen im Gefolge einer Abflachung der internationalen Konjunktur gleichermaßen begegnet werden wird. Außerdem ist jede Konjunkturabflachung mit einer Senkung der Rohstoffpreise verbunden, was letztlich synchron mit eventuellen Umsatzrückgängen eine Kostensenkung bedeutet.
Daher erwartet der KSV1870 für das Jahr 2012 keinesfalls eine dramatische Zunahme der Unternehmenszusammenbrüche, sondern eher eine Seitwärtsbewegung, also ein Insolvenzgeschehen etwa auf dem Niveau von 2011.
Privatkonkurse knapp unter magischer 10.000-Marke
Auch im Jahr 2011 ist die Anzahl der Schuldenregulierungsverfahren in Österreich angestiegen, und zwar um 6,2 % auf 9.590 eröffnete Verfahren. Das entspricht pro Tag 36 Personen, die bei Gericht eine Schuldenregulierung anstreben.
Privatkonkurse 2011 - Hochrechnung
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2011 | 2010 | Veränderung | |
| Eröffnete Schuldenregulierungsverfahren | 9.590 | 9.028 | + | 6,2 % |
| Geschätzte Insolvenzverbindlichkeiten | 1,2 Mrd. | 1,2 Mrd. | +/- | 0,0 % |
Dem Privatkonkurs hatte man an seiner Wiege exorbitante Zahlen prognostiziert: von 20.000 Verfahren pro Jahr war damals die Rede. 17 Jahre nach seiner Einführung am 1.1.1995 sind es nicht einmal 10.000 Personen, die eine Regulierung ihrer Schulden anstreben. Was langsam wächst (im Jahr 1995 waren es 780 Verfahren), hat auch langen Bestand: Das österreichische Verfahren darf als beispielhaft angesehen werden, v. a. wenn man nach Deutschland blickt, wo seit dem Jahr 1999 alle Beteiligten in hohem Maße unzufrieden mit dem Privatkonkursrecht sind. Der österreichische Gesetzgeber war wesentlich praxisnäher und realistischer als der deutsche und hat Regeln geschaffen, die halten, was sie versprochen haben: Eine faire und gleichmäßige Befriedigung der Gläubiger im Rahmen des Möglichen und eine 7jährige Anspannung der Schuldner mit einem Rechtsanspruch auf Erlass der Restschulden, wenn zumindest 10 % herausgekommen sind, was grob gesprochen den Konto-Zinsen eines einzigen Kalenderjahres entsprochen hatte.
Die Schulden in den Schuldenregulierungsverfahren betrugen durchschnittlich EUR 124.000. Dies entspricht einem Rückgang von ca. 9 % gegenüber 2010, wobei sowohl die Schulden der Privaten leicht rückläufig sind, als auch die der ehemals Selbstständigen. Die höchsten Schulden hatten Konkursanten in Niederösterreich und dem Burgenland, wogegen in Wien mit knapp über EUR 100.000 die Durchschnittsschulden am niedrigsten waren. In diesen Beträgen sind jeweils die Schulden ehemaliger Unternehmer, die aus der Rechtsform (Einzelunternehmer) haften, und echter Konsumenten gemixt. Die tatsächlichen Schulden der ca. 33% ehemaliger Unternehmer in den Verfahren betrugen ca. EUR 250.000 pro Fall, die Schulden der echten Privaten dagegen nur knapp unter EUR 60.000. Dabei ist für beide Schuldnerklassen darauf hinzuweisen, dass durch Zinsenlauf und Rechtskosten die ehemalig tatsächlich gemachten Schulden innerhalb sehr kurzer Zeiträume in die Höhe schnellen. Nur so lässt sich erklären, warum echte Privatpersonen mit derartig hohen Schulden in das Konkursverfahren kommen, bzw. wieso sie so Hohe Schulden überhaupt machen konnten.
Die Ursachen der Verschuldung haben sich in den letzten Jahren stark eingependelt. Die ehemalige Selbstständigkeit mit zwischen 33 % und 35 % ist die häufigste Ursache, gefolgt von Verlust des Arbeitsplatzes (27 %), Krankheit/Scheidung (23 %) und sorglosem Umgang mit Geld und anderen Gründen (ca. 15 %). Die oft zitierte angebliche Handyfalle spielt hingegen keine Rolle. Wenn es zur Insolvenz kommt, dann sind die Hauptgläubiger mit ca. 82 % der Forderungen Kreditinstitute und Leasinggesellschaften. Andere Gläubiger (Versandhandel, Telekommunikation, Miete etc) spielen eine untergeordnete Rolle.
Bundesländer im Vergleich:Die ziffernmäßig höchsten Zuwächse kommen gewöhnlich aus dem Bundesland Wien, das als Großstadt und Bundesland eine Sonderstellung einnimmt. Im Jahr 2011 dagegen liegt beim absoluten und relativen Zuwachs das Land Niederösterreich an erster Stelle mit einem Zuwachs von 22 % oder 190 Verfahren.
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Bundesland |
eröffnete Fälle 2011 | eröffnete Fälle 2010 | Veränderung in % |
| Wien | 3.855 | 3.677 | 5% |
| Niederösterreich | 1.050 | 860 | 22% |
| Burgenland | 153 | 154 | -1% |
| Oberösterreich | 1.268 | 1.225 | 4% |
| Salzburg | 427 | 442 | -3% |
| Vorarlberg | 599 | 526 | 14% |
| Tirol | 737 | 736 | 0% |
| Steiermark | 756 | 683 | 11% |
| Kärnten | 745 | 725 | 3% |
| Gesamt | 9.590 | 9.028 | 6% |
Die unterschiedlichen Zuwächse der Bundesländer resultieren primär aus der Insolvenzentwicklung der Vergangenheit: Bundesländer mit einem entwickelten Niveau an Privatkonkursen (z. B. Wien, Oberösterreich) liegen im Bundesschnitt, wogegen etwa Niederösterreich und die Steiermark deutlich Aufholkandidaten sind, da dort das Niveau an Entschuldungsverfahren unterdurchschnittlich ist, sowohl bezogen auf die Bevölkerung als auch auf die Zahl der tatsächlich insolventen Personen.
„What goes up must come down" (© BS&T) gilt (noch) nicht für den Privatkonkurs. Am 1.1.1995 trat diese Form der Schuldenregulierung in Kraft und ist seither - mit punktuellen Ausnahmen - nur in die Höhe gegangen. Das hat v. a. damit zu tun, dass die Zahl der tatsächlich (materiell) insolventen Schuldner in Österreich deutlich höher liegt als die der knapp 10.000 Verfahren, die Jahr für Jahr in Gang gesetzt werden. Die Zahl der insolventen Personen in Österreich wird vom KSV1870 auf etwa 150.000 geschätzt. Diese Zahl ist in den vergangenen Jahren von geschätzten 80.000 im Jahr 1990 in die Höhe gegangen, und das trotz mittlerweile abgeführter ca. 81.000 erfolgreicher Privatkonkursverfahren. Anders ausgedrückt: Die geschätzten 80.000 Insolventen bei Inkrafttreten des Privatkonkursrechtes in Österreich sind - zumindest rein rechnerisch - alle schon entschuldet oder im Begriff, sich zu entschulden. Gleichzeitig sind 150.000 neue Personen zahlungsunfähig geworden, und zwar zu einem nicht unwesentlichen Teil durch die sogenannten Sparpakete der 90er-Jahre, die allesamt in Wahrheit reine Belastungspakete darstellten. Eine ähnliche Entwicklung würde eintreten, wenn die „Sparsamkeit" der gegenwärtigen Bundesregierung neuerlich auf dem Rücken des Konsumenten ausgetragen würde, statt echte Rückbauten des hypertrophen Staatsapparates vorzunehmen.
Ausblick auf 2012
Unter der Prämisse, dass eine kurzfristige Novelle oder Änderung der Spielregeln nicht ins Haus steht, wird das Jahr 2012 ähnliche Zahlen wie 2011 erbringen. Ein weiteres Anwachsen der Schuldenregulierungen um etwa 5 % ist zu erwarten, was die Zahl dieser Verfahren 2012 definitiv über die magische Schwelle von 10.000 heben würde.
Die Detailzahlen sowie die ausführlichen Kommentare zu den Unternehmens- und Privatkonkursauswertungen finden Sie im untenstehenden Download.
Unternehmensinsolvenzen
Privatinsolvenzen
Für den Inhalt verantwortlich:
Dr. Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz
Wien, 20.12.2011
Rückfragenhinweis:
Karin Stirner
Leiterin Unternehmenskommunikation
KSV1870 Holding AG, 1120 Wien, Wagenseilgasse 7
Telefon 050 1870-8226, e-Mail: stirner.karin@ksv.at
www.ksv.at
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