Weitere Premiere in Oberösterreich: Eröffnung des ersten Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung

20.07.2010 Eröffnung über Gourmetland Wild- und Lammfleischdelikatessen GmbH in 4240 Freistadt

Eröffnung des ersten Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung nach der neuen Insolvenzordnung in OÖ am LG Linz!

Seit 1.7.2010 ist das neue Insolvenzrecht in Kraft. Es bietet insolventen Unternehmen den Anreiz, an Stelle des Konkurses ein Sanierungsverfahren zu beantragen, wenn ein Sanierungsplan vorgelegt werden kann und neben tauglichen Sanierungsmaßnahmen den Gläubigern eine Quote von mindestens 20% angeboten wird. Ein Insolvenzverwalter, der die Geschäfte übernimmt, wird dann trotzdem bestellt. Wenn wenigstens 30% angeboten werden, kann der Schuldner das Unternehmen in Eigenverwaltung für bis zu 90 Tage weiter betreiben. Dann muss der Sanierungsplan von den Gläubigern angenommen sein, oder die Eigenverwaltung wird entzogen und ein Insolvenzverwalter wird zur weiteren Abwicklung eingesetzt.

Erst nach 14 Tagen beginnt sich die neue Insolvenzordnung in OÖ mit Leben zu füllen: Nachdem am 14.7.2010 wie berichtet ein erstes Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung und mit 20% Quote für die Gläubiger am LG Steyr eröffnet worden ist, gibt es heute am LG Linz die erste Eröffnung eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung bei eine 30%igen Quote (das ist der in die am 1.7.2010 in Kraft getretene Insolvenzordnung eingefügte Ersatz für das bisherige Ausgleichsverfahren, von dem es im ersten Halbjahr 2010 in OÖ nur mehr einen einzigen Fall gab):

Am 20.07.2010 wurde über das Vermögen der Firma

Gourmetland Wild- und Lammfleischdelikatessen GmbH
in 4240 Freistadt

das Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung eröffnet.

Insolvenzursachen und weitere verfahrensrelevante Daten:
Das insolvente Unternehmen hat vor genau 2 Jahren den Wildverarbeitungsbetrieb aus der Konkursmasse Jägerland Wildspezialitäten GmbH. auf Kreditfinanzierungsbasis um 900.000,-- Euro gekauft. Es wurde mit einer Förderung in Höhe einer viertel Million Euro gerechnet, die aber nicht gewährt wurde. Die damit angespannte Situation wurde durch einen Kühlanlagenausfall verschärft, bei welchem Lagerware verdorben ist und wofür keine Versicherungsdeckung gegeben war. Zuletzt hat ein tschechischer Wildbretlieferant zwar Vorauszahlung kassiert, aber nicht geliefert. Damit war der Käufer des insolventen Delikatessenbetriebes zwei Jahre nach dem Kauf selbst pleite.

Den Gläubigern wird die für den Sanierungsplan mit Eigenverwaltung erforderliche Mindestquote von 30%, zahlbar in zwei Monaten angeboten. Die Finanzierung soll durch den Einstieg eines Investors erfolgen.

Der KSV1870 hat mit der Überprüfung der Angemessenheit und Erfüllbarkeit dieses ersten Sanierungsplanes mit Eigenverwaltung in Oberösterreich begonnen und übernimmt Aufträge zu Forderungsanmeldungen für die Gläubiger, die bis 10.09.2010 erfolgen müssen.

Verhandelt und abgestimmt über den Sanierungsplan wird am LG Linz am 24.09.2010

PS.: Im Konkurs der Vorgängerfirma Jägerland Wildspezialitäten GmbH betrugen die Schulden 2,1 Mio. Euro. Dieses Verfahren wurde im Dezember 2009 mit der Verteilung der Konkursmasse beendet. Für die Gläubiger gab es knapp 9%.

Der KSV1870 bietet allen Gläubigern an, Sie in diesem Fall zu vertreten.

Rückfragen:
Mag. Otto Zotter
Leiter Niederlassung Linz
Telefon 050 1870-4030, e-Mail: insolvenz.Linz@ksv.at

 


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