Megatrends, die unser Leben prägen (werden)

Vorhersagen sind schwierig, heißt es – vor allem dann, wenn sie die Zukunft betreffen. Trotzdem sollte der Blick über den Tellerrand der Gegenwart schweifen, um zu schauen, worauf wir uns einstellen müssen. Kurzum: Was sind die Megatrends der Zukunft? Im ersten von zwei Teilen dreht sich alles um technologische Errungenschaften, die ihre Spuren hinterlassen werden.

Text: Raimund Lang

Megatrends, die unser Leben prägen (werden)

1. Künstliche Intelligenz (KI).

KI ist aktuell eines der schillerndsten Buzzwords in den Medienredaktionen und Marketingabteilungen – aber auch an technischen Universitäten. Doch nicht überall, wo KI draufsteht, ist selbige auch drin. Aber wo immer sie tatsächlich drin ist, sind erstaunliche Innovationen zu erwarten. Im Grunde ist KI nichts weiter als ein Kanon an Algorithmen und Programmiertechniken zur Verarbeitung und Auswertung von Daten. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn viele Theoretiker meinen, dass KI eines Tages die Erschaffung eines künstlichen Wesens mit Selbstbewusstsein ermöglichen wird. Bis es aber so weit ist, stehen der ingenieursmäßige Zugang zur KI und der damit verbundene praktische Nutzen im Fokus. KI ist schon heute in vielen Bereichen im Einsatz: etwa in der Regelung komplexer Verkehrsströme, beim Echtzeit-Aktienhandel oder beim automatisierten Erkennen medizinischer Anomalien in computertomografischen Scans. Die Spracherkennung unserer Smartphones basiert ebenso auf KI-Algorithmen wie Empfehlungen für neue Kontakte in den sozialen Medien. Insbesondere die Teildisziplin „maschinelles Lernen“ ist im Alltag von Unternehmen angekommen: Aus Daten der Vergangenheit lassen sich mittels Mustererkennung und statistischer Verfahren Prognosen über künftige Entwicklungen ableiten. Etwa bei zu erwartenden Absatzveränderungen oder auf „Shopfloor“-Ebene, wenn es darum geht, den Zeitpunkt für notwendige Services von Maschinen einzuschätzen. KI im Allgemeinen ist damit kongenialer Partner des Big-Data-Paradigmas, wonach Daten die wesentlichste Grundlage für unternehmerische Entscheidungen sind. Die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten von KI stellen ein reichhaltiges Potenzial für IT-Dienstleistungen aller Art dar. Fachwissen und Risikobereitschaft vorausgesetzt, bieten sich für innovative Start-ups Chancen en masse. Übrigens: Die Angst vor bösen „Superrobotern“, welche die Menschheit eines Tages versklaven könnten, ist ausgemachter Humbug.

 

2. Autonomes Fahren.

Kaum ein anderes Industrieprodukt symbolisiert gegenwärtig die Zukunft des Automobils ähnlich stark wie die schnittigen Elektroflitzer von Tesla. An der langfristigen Entwicklung der Tesla-Aktie scheinen sich die Potenziale des autonomen Automobils regelrecht ablesen zu lassen. Die Realität ist jedoch komplexer. Einerseits ist Tesla bei weitem nicht der einzige Player am Markt, andererseits ist es zweifelhaft, ob selbstständig fahrende Autos tatsächlich jemals ein Massenprodukt werden. Sicher scheint hingegen, dass Autonomie eine wesentliche Rolle in zukünftigen Mobilitätskonzepten spielen wird: etwa bei autonomen Zügen, Bussen, Taxis oder Drohnen. Verkehrsexperten glauben, dass der Individualverkehr zukünftig an Bedeutung verlieren wird zugunsten autonomer Mobilität. Statt ein eigenes Auto zu besitzen, wird aus dem vorgegebenen Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln ausgewählt werden, um an sein Ziel zu gelangen – intelligente Routenplanung und automatische Abrechnung inklusive. Insbesondere die Verbindung zwischen vielbefahrenen Orten wie etwa Bahnhöfen oder Einkaufszentren könnte zur ersten Domäne autonomer Fahrzeuge werden. Aus technologischer Sicht sind dafür allerdings wesentliche Durchbrüche in der Batterietechnik (Speicherdichte, Batteriemanagement usw.) erforderlich. Ebenso braucht es verbesserte Ansätze, um die Komplexität von Verkehrssystemen sicher und zugleich effizient zu regeln.

 

3. Ökologisierung.

Die Ökologisierung von Wirtschaft und Gesellschaft ist zwar kein unmittelbarer technologischer Trend, indirekt allerdings sehr wohl, weil für den Klimawandel, für ressourceneffizientes Wirtschaften und für einen nachhaltigen Konsum entsprechende Technologien unerlässlich sind. Seien es nun energiesparende Haushaltsgeräte, Infrastrukturen zur intelligenten Energieverteilung oder neue Werkstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen samt den damit verbundenen Verarbeitungstechnologien. Ökologisierung ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist wohl jeder Mensch an einem sauberen Planeten interessiert, als Unternehmer trägt man aber zugleich auch Verantwortung für den Betrieb und dessen Mitarbeiter. Da es faktisch leider erwiesen ist, dass ohne „sanften Zwang“ von nationalen Regierungen oder der EU in Sachen Umweltschutz nicht viel weitergeht, müssen Unternehmen oftmals unter der Last von Öko-Vorschriften stöhnen. Auf der anderen Seite bietet das Öko-Credo aber auch unternehmerische Chancen. Zum Beispiel kann – zwar ethisch fragwürdig, aber zuweilen effektiv – durch „grünes Marketing“ die Unternehmensreputation erhöht werden. Seriösere Chancen bietet auch die Fokussierung auf neue, oftmals finanzkräftige Kundengruppen, die explizit ökologisch nachhaltige Produkte bevorzugen. Eine These: Langfristig werden jene Unternehmen am erfolgreichsten sein, die Ökologisierung besonders ernst nehmen. Im Gegensatz dazu werden jene Betriebe erfolglos sein, die die Ökologisierung kaum bis gar nicht ernst nehmen.

 

4. 3D-Druck.

Zugegeben, in der breiten Öffentlichkeit ist der 3D-Druck eher als Spielerei technikverliebter Nerds bekannt. Doch tatsächlich ist es ein Sektor, bei dem die Hersteller am meisten mit High-End-Druckern für Unternehmen verdienen. Mittels spezieller Software werden dreidimensionale Körper am Computer entwickelt. Dabei schmilzt im Drucker mindestens ein Laser ein Basismaterial in Pulverform und baut so schichtweise das gewünschte Objekt auf. In der Zwischenzeit steht eine Vielzahl an Kunststoffen und Metallen zur Verfügung, aus denen Körper mit nahezu beliebig komplexer Geometrie generiert werden können. Dadurch ist die Technologie auch für stark beanspruchte Teile interessant geworden – und mittlerweile können sogar hoch belastbare Bauteile für den industriellen Einsatz produziert werden. Auch deshalb forschen Flugzeughersteller bereits daran, Teile mittels 3D-Druck zu erzeugen. Die Vorteile, die sie sich ebenso wie andere Industrien erwarten, liegen auf der Hand: kaum Einschränkungen in der Geometrie und geringere Stückkosten bei zumindest geringen Losgrößen im Herstellungsverfahren. Interessant ist der 3D-Druck deshalb auch für die Ersatzteillogistik: Oft gibt es für ältere Produkte keine Ersatzteile mehr, oder es wäre unwirtschaftlich, welche herzustellen. Die Deutsche Bahn setzt genau aus diesem Grund auf den 3D-Druck und produziert viele Ersatzteile älterer ICE-Modelle bei Bedarf selbst.