Großinsolvenz: Wozabal-Gruppe aus Oberösterreich

31.08.2017

Seit Mitte August 2017 ist es bei Wozabal kein Geheimnis mehr, dass die Firmengruppe des Textilreinigers und Anbieters von Mietwäsche und Berufskleidung in argen finanziellen Schwierigkeiten steckt. 725 Löhne für Juli konnten nicht ausbezahlt werden. Die Hausbanken haben die Konten gesperrt, nachdem zwei seit Jahresbeginn eingeschaltete Sanierungsexperten das Unternehmen Anfang August unverrichteter Dinge wieder verlassen haben. Firmenchef Christian Wozabal (46) zeigte sich trotzdem zuversichtlich, die Insolvenz abwenden zu können, was sich nach bereits kurzer Zeit als nicht machbar herausgestellt hat. Heute wurden Insolvenzanträge gestellt. Es kommt damit zur größten Insolvenz seit 4 Jahren in Oberösterreich nach der Pleite der Drogeriekette „dayli“ im Juli 2013 (Siehe Tabelle der größten Fälle der letzten 4 Jahre nachstehend).
 
Es wurden Anträge auf Eröffnung von Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung gestellt. Diese Insolvenzanträge betreffen folgende 6 Firmen der Wozabal-Gruppe:
 
Wozabal Management GmbH,
4040 Linz, Freistädterstr. 230
 
Wozabal Textilservice GmbH & Co KG,
4040 Linz, Freistädterstr. 230
 
Wozabal MPZ Medizinproduktezentrum GmbH & Co KG,
4040 Linz, Freistädterstr. 230
 
Wozabal Textile Logistik GmbH & Co KG,
4040 Linz, Freistädterstr. 230
 
Wozabal Sterilgut – Systeme GmbH & Co KG,
4860 Lenzing, Atterseestr. 97
 
Wozabal Mietberufsbekleidung GmbH & Co KG,
4860 Lenzing, Atterseestr. 99
 
Standorte der Firmen befinden sich Linz, Enns, Lenzing und Rankweil, weiters besteht ein Verteilerzentrum in Wien.
 
NICHT von der Insolvenz betroffen sind folgende weitere Firmen der Wozabal-Gruppe:
 
Wozabal Textile Vollversorgung GmbH & Co KG,
5630 Bad Hofgastein, Gallwiesweg 28
 
Wozabal Textile Vollversorgung GmbH,
5630 Bad Hofgastein, Gallwies 11
 
Umlauft Textilservice GmbH,
9020 Klagenfurt, Umlauftstr. 2
 
Wozabal s.r.o.
37001 Ceské Budejovice, Novoradská 1683/36 (Tschechien)

Gegenstand der Unternehmensgruppe:
Textile Vollversorgung und Logistik im Gesundheitswesen für Spitäler und Kurheime, für Senioren- und Pflegeheime, Gastronomie und Hotellerie, Mietberufskleidungsservice für Industrie und Gewerbe. Die Gruppe hat über 2.000 Kunden, wäscht täglich 175 Tonnen Textilien und stattet 70.000 Personen mit Berufskleidung aus. Sie ist in Österreich, Deutschland, Italien und Tschechien tätig.

  • Geschäftsführender Gesellschafter der Firmen:
    Ing. Christian Wozabal
     
  • Weiterer Geschäftsführer:
    Mirsad Muric
  • Dienstnehmer:
    Bei den 6 Insolventen Firmen sind insgesamt 792 Arbeitsplätze betroffen. Die gesamte Gruppe einschließlich der nicht insolventen Firmen beschäftigt derzeit rd. 950 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
  • Betroffene Gläubiger der insolventen Firmen in Summe:
    rd. 680
  • Passiva der insolventen Firmen in Summe:
    Per Juli 2017 weisen die 6 insolventen Firmen Verbindlichkeiten von zusammen 104,1 Millionen Euro in den Büchern aus. Darin enthalten sind auch sogenannte Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen in Höhe von 30,5 Millionen Euro, also Schulden, die intern gegenüber anderen Firmen der Wozabal Gruppe bestehen. Die Schulden gegenüber externen Gläubigern belaufen sich daher auf rund 73,6 Millionen Euro. Der größte Teil dieser Verbindlichkeiten besteht gegenüber Banken, Leasingfirmen, Lieferanten und Dienstnehmern. Aufgrund gesetzlicher und vertraglicher Haftungen der Firmen untereinander werden die Gläubiger bestehende Forderungen teilweise zu zwei oder mehreren Verfahren anmelden. Im Laufe des Verfahrens werden sich daher die Verbindlichkeiten der einzelnen Firmen in den Anmeldungsverzeichnissen zu deutlich mehr als den angeführten 104,1 Millionen Euro summieren. Genaue Zahlen werden nach Ablauf der Anmeldefristen feststehen.
     
  • Aktiva der insolventen Firmen in Summe:
    Bewertet zu Zerschlagungswerten werden mit den Insolvenzanträgen Vermögensaufstellungen vorgelegt, in denen die Aktiva mit 37,4 Millionen Euro angesetzt sind. Davon sind nur 12 Millionen Euro freies Vermögen, der Rest ist mit Pfandrechten und Eigentumsvorbehalten belastet.

 
Insolvenzursachen (lt. Schuldnerangaben):
Hohe Kosten für Investitionen in Standorte, Automatisierung und Umstrukturierungsmaßnahmen, eine schlechte Finanzierungsstruktur mit hohem Fremdmittelanteil.
 
Weitere verfahrensrelevante Daten:
In den beantragten Sanierungsverfahren muss als gesetzliches Mindesterfordernis den Gläubigern eine Quote von mindestens 20 %, zahlbar innerhalb von 2 Jahren ab Annahme des Sanierungsplanes angeboten werden. Darüber wird dann mit den Gläubigern in einer eigenen Tagsatzung verhandelt werden.
 
In erster Linie gilt es nun, den Fortbestand der 6 insolventen Firmen zu sichern, damit die Sanierung überhaupt möglich wird. Nach Schuldnerangaben wurde eine Cash-Flow-Planung bis Jahresende 2017 erstellt, nach der sich eine kostendeckende Fortführung bewerkstelligen lässt. Darüber hinaus sind aber noch weitere Finanzierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen erforderlich, um den Sanierungsplan umzusetzen. Die Unternehmensgruppe braucht also mit anderen Worten frisches Kapital z.B. durch einen Finanzinvestor, um mittel- und längerfristig zu überleben.
 
Die zuständigen Landesgerichte Linz und Wels werden die Verfahren heute eröffnen und die dann bestellten Insolvenzverwalter und Gläubigerausschüsse werden die Vermögenssituation sowie die Fortführungs- und Sanierungsmöglichkeiten für die 6 insolventen Firmen eingehend prüfen.
 
Sobald die Eröffnungen der Verfahren an den Landesgerichten Linz und Wels erfolgt sind, wird der KSV1870 darüber informieren.
 
Rückfragen:

Mag. Otto Zotter
KSV1870 Leiter Niederlassung Linz
Mozartstraße 11, 4020 Linz
Telefon: 050 1870-DW 4030
E-Mail: insolvenz.linz@ksv.at
 
Mag. Petra Wögerbauer
KSV1870 Leiterin Insolvenz Linz
Mozartstraße 11, 4020 Linz
Telefon: 050 1870-DW 4031
E-Mail: insolvenz.linz@ksv.at

Anhang:


Link zu weiteren Informationen im Insolvenzfall zur Wozabal-Gruppe

Link zur Insolvenzeröffnung im Fall der Wozabal-Gruppe