Großinsolvenz Fill Metallbau: Sanierungsplan wurde angenommen

11.07.2018

Die Gläubiger der Fill Metallbau Gesellschaft m.b.H. haben in der heutigen Verhandlung am Landesgericht Ried über den neuerlich eingebrachten Sanierungsplan beraten und abgestimmt. Der 20-prozentige Sanierungsplan wurde angenommen.
 
Der Innviertler Stahl- und Fassadenbauer blickt auf eine 50jährige Firmengeschichte zurück. Das 1968 von Kommerzialrat Alois Fill gegründete Unternehmen bietet Konstruktionen aus Metall und Glas im Fassadenbereich, Fenster und Portale sowie Fahrgastunterstände, Litfaßsäulen und Info-Points an. Der Markt für Stahlkonstruktionen in Österreich und Deutschland wurde ab 2014 auf Großbritannien ausgedehnt. Dort wurden ausschließlich Großprojekte (Gebäudeumhüllungen) abgewickelt.
 
Über das Vermögen der Fill Metallbau Gesellschaft m.b.H. wurde bereits am 02.10.2017 ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Der von den Gläubigern angenommene 20-prozentige Sanierungsplan wurde am 14.02.2018 rechtskräftig bestätigt und eine erste 10-prozentige Quote bereits an die Gläubiger ausgeschüttet.
 
Aufgrund neuer erwirtschafteter Verluste und Liquiditätsschwierigkeiten wurde am 08.05.2018 wiederum ein Sanierungsverfahren eröffnet. Es zeigte sich, dass mit den vorhandenen finanziellen Mitteln die Vorfinanzierung größerer Aufträge nicht möglich war, Verhandlungen mit strategischen Partnern scheiterten.
 
Über 640 Gläubigerforderungen in Höhe von rund 30 Millionen Euro wurden zu diesem Verfahren angemeldet. Die Gläubiger erhalten auf ihre Forderungen eine Quote von 20 Prozent, davon 6 Prozent in Form einer sofortigen Barquote. Die restlichen beiden Teilquoten zu 7 Prozent werden in den beiden darauffolgenden Jahren an die Gläubiger geleistet werden. Die Finanzierung der ersten beiden Teilquoten ist durch Zuschüsse von dritter Seite und durch ein Darlehen der Fill Holding GmbH gesichert. Die dritte Teilquote sollte laut Darstellung der Schuldnerseite aus dem laufenden Geschäftsbetrieb erwirtschaftbar sein.
 
Man will jetzt diese zweite Chance nutzen und sich verstärkt auf das ursprüngliche Kerngeschäft im Alu-, Stahl- und Edelstahlbereich konzentrieren. Bei den Großprojekten in England ergaben sich Probleme bei der Suche nach geeignetem Personal und der Beauftragung von zuverlässigen Sublieferanten. Der Fokus wird auf eine verkleinerte Struktur und die Zielmärkte in Österreich und Deutschland gelegt.
 
Im Falle des Scheiterns des Sanierungsplanes würden die Verbindlichkeiten aufgrund von zu erwartenden Schadenersatzforderungen und Pönal- und Beendigungsansprüchen rasch auf über 45 Millionen Euro anwachsen. Die Gläubiger würden im Zerschlagungsszenario laut Einschätzung des KSV1870 nur eine Quote von 2 bis 3 Prozent erhalten.
 
 
Rückfragen:

Mag. Petra Wögerbauer
KSV1870 Leiterin Team Insolvenz Linz
Mozartstraße 11, 4020 Linz
Telefon: 050 1870-DW 4031
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