Insolvenz ​Charles Vögele: Pressemitteilung der Masseverwaltung

Finale im Sanierungsverfahren Charles Vögele (Austria). GA Europe legt
verbindliches Angebot

10.09.2018 – Die Insolvenzverwalter Dr. Norbert Scherbaum und Dr. Clemens Jaufer haben heute in einer Gläubigerausschusssitzung die Insolvenzrichterin und die Mitglieder des Gläubigerausschusses über die Fortführung des Unternehmens und den positiven Fortgang der Investorengespräche und –verhandlungen informiert.

„Es sind nun die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Sanierung des Unternehmens mit Sanierungsplan geschaffen“, so Norbert Scherbaum: In den letzten Wochen haben die Masseverwalter und das Management von Charles Vögele Austria mit 2 Interessenten unter hohem Zeitdruck verhandelt, wovon ein Investor nun ein verbindliches Angebot, auf dessen Grundlage der Fortbetrieb des Unternehmens und die Finanzierung eines 20%-igen Sanierungsplans abgesichert werden, gelegt hat. „Mit dem Interessenten GA Europe GmbH wurde ein professioneller Partner für Charles Vögele Austria gefunden, der unter dem hohen Zeitdruck kurzfristig die für die kommende Modesaison nötige Ware zur Verfügung stellt. Wir freuen uns besonders, dass mit dem strategischen Investor GA Europe ein tragfähiges Zukunftskonzept umgesetzt werden kann, das einen Großteil der Filialen von Charles Vögele in Österreich und damit auch die Arbeitsplätze des Unternehmens bestehen lässt“, erläutert Masseverwalter Clemens Jaufer. Voraussetzung hierfür war noch die Zustimmung des Gläubigerausschusses und die Genehmigung durch das Insolvenzgericht und am 22.10.2018 die Zustimmung der Gläubiger zum Sanierungsplan.
 
Ein erster großer Schritt ist nunmehr geschafft. Der Gläubigerausschuss, deren Mitglieder unter anderem die VertreterInnen der Gläubigerschutzverbände sind, hat dem Vorschlag der Masseverwalter entsprechend, die Annahme des verbindlichen Angebots von GA Europe GA seine Genehmigung erteilt.
 
»Es freut mich besonders, dass die Zerschlagung des Unternehmens doch noch verhindert werden konnte und ich bedanke mich für die extreme Loyalität und den ungebrochenen Einsatz der gesamten Belegschaft in den vergangenen schwierigen Wochen« erklärt Geschäftsführer Thomas Krenn.
 
Die Masseverwalter sind zuversichtlich und können den Gläubigern in der Sanierungsplantagsatzung am 22.10.2018 die Annahme des Sanierungsplans, empfehlen: Dieser entspricht den tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten, weil „eine Schließung des Unternehmens den Verlust von 700 Arbeitsplätzen und eine weit niedrigere Zerschlagungsquote für die Gläubiger von weit weniger als 10% zur Folge hätten“, so Norbert Scherbaum.
 
Die VertreterInnen der Gläubigerschutzverbände haben sich zum bisherigen Verlauf des Sanierungsverfahrens positiv geäußert, womit auch ein erstes positives Signal für den erfolgreichen Abschluss des angebotenen Sanierungsplans gegeben wurde.
 
Möglich wurde diese neue Situation zugunsten der Mitarbeiter und Gläubiger des Unternehmens durch mehrere ineinandergreifende Faktoren:

  • die Zusage der kurzfristigen Freigabe der Gesellschaftsanteile von Charles Vögele (Austria) GmbH durch die Schweizer Muttergesellschaft bzw. deren Insolvenzorgane an den Investor (die erforderlichen Verträge und Genehmigungen sollen in den nächsten Tagen vorliegen);
  • eine außergerichtliche Einigung mit dem Bankenkonsortium in der Schweiz, die esauch der neuen Eigentümerin, nämlich der GA Europe GmbH, in der Zukunft nach Abschluss des Sanierungsverfahrens ermöglicht, die Marke „Vögele“ weiter zu verwenden, und
  • die Einigung mit dem bisherigen italienischen Lieferanten, die ebenfalls inEndverhandlung steht, wodurch in den nächsten Wochen die Filialen von Charles Vögele (Austria) mit neuer Herbst- und Winterware bestückt werden können und GA Europe in den nächsten Wochen Ware im Wert von mehr als EUR 10 Mio. Vögele zur Verfügung stellt.

Wie bereits bekannt, ist für eine erfolgreiche Sanierung des Unternehmens die Verschlankung der Filialstruktur notwendig. Aus diesem Grund sieht es auch das Konzept von GA Europe vor, einzelne Filialen zu schließen. Im Fortführungskonzept ist von einer Reduktion des Filialnetzes bis zur Sanierungsplantagsatzung von 25 bis 30 Standorten die Rede.
„Daher werden noch bis zur Sanierungsplantagsatzung im Oktober die laut dem Übernahmekonzept nicht fortgeführten Standorte des Unternehmens geschlossen, wovon in den nächsten Tagen 15 Filialen betroffen sein werden, dies an folgenden Standorten, so Masseverwalter Clemens Jaufer:

Haid, Bad Radkersburg, Graz-Weinzöttl, Spittal, Mürzzuschlag, Graz St. Peter, St. Veit/Glan, Reutte, Salzburg ZiB, Wien SCN, Lannach, Wolfsberg, Schwanenstadt, Vogau, Wien Awarenstraße
 
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der 15 betroffenen Filialen wurden bereits von der Geschäftsführung und vom Masseverwalter darüber informiert.
 
Zusammenfassend gehen die Masseverwalter davon aus, dass durch den Einsatz der MitarbeiterInnen sowie der Geschäftsführung und nicht zuletzt durch die Treue der Kunden und dem Engagement des neuen zukünftigen Eigentümers GA Europe GmbH die Voraussetzungen für einen Fortbestand des Traditionsunternehmens gegeben sein sollen, wenngleich natürlich – formal – das Ergebnis der Sanierungsplantagsatzung abgewartet werden muss. Erst dann steht die exakte Höhe der Passiven des Unternehmens fest, zumal die Gläubiger die Möglichkeit haben, bis 14 Tage vor der Sanierungsplantagsatzung Ihre Forderungen anzumelden und auch das Ergebnis einer Überprüfung durch die zuständige Abgabenbehörde abzuwarten ist.

 
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:
Scherbaum Seebacher Rechtsanwälte GmbH
Dr. Norbert Scherbaum und Dr. Clemens Jaufer
E-Mail: voegele@scherbaum-seebacher.at
T: +43(0)316/832460-113