Großinsolvenz: SFL technologies GmbH, Sanierung gescheitert


Das Unternehmen ist erneut insolvent, eine Fortführung nicht angedacht. Nach Passiva ist dies die bislang größte Insolvenz im Jahr 2019.

 

Am 03.04.2019 wurde über das Vermögen des Unternehmens

SFL technologies GmbH
Innovationspark 2, 8152 Stallhofen

ein Konkursverfahren am LGZ Graz eröffnet.

Zur Vorgeschichte:

Über die Schuldnerin war bereits im Jahre 2017 zu 25 S 78/17h ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung anhängig.
Dieses endete im Jahre 2018 mit dem Abschluss eines Sanierungsplanes vom 08.02.2019, welcher wie folgt lautete:

Die Insolvenzgläubiger erhalten auf ihre Forderungen eine Quote von 30 %, zahlbar wie folgt, und zwar

  • mit einer Teilquote von 5 % als Barquote,
  • auszuschütten durch den Insolvenzverwalter binnen 14 Tagen nach rechtskräftiger Bestätigung des Sanierungsplanes
  • mit einer Teilquote von 5 % bis längstens 31.07.2018
  • sowie 2 Teilquoten zu je 10 % bis zum 31.12.2018 und zum 31.12.2019

Von der Schuldnerin konnten lediglich die ersten beiden je 5%igen Raten beglichen werden, die Folgequote mit Fälligkeit vom 31.12.2018 (10%) konnte nicht mehr aufgebracht werden.

Die quotenrelevanten (anerkannten) Insolvenzforderungen betrugen rund 67,5 Millionen Euro.

Ediktsdaten

Zum Insolvenzverwalter wurde Mag. Philipp CASPER, Rechtsanwalt in 8010 Graz, Kalch-berggasse 1,  zum Insolvenzverwalter Stellvertreter Mag. Georg Wielinger, Rechtsanwalt, ebenfalls 8010 Graz, Kalchberggasse 1, bestellt.

  • Die Anmeldefrist wurde mit 20.05.2019 bestimmt. 
    Der KSV1870 bietet allen Gläubigern an, sie in diesem Fall zu vertreten. Unterlagen bitte per E-Mail an ins.graz@ksv.at senden.
  • Die erste Gläubigerversammlung wurde auf den 23.04.2019 anberaumt
  • Die Berichts- und Prüfungstagsatzung findet am 03.06.2019 statt.

Unternehmensdaten  

  • Gegenstand des Unternehmens:
    Betriebsgegenstand bildet im Wesentlichen der Metallbau          
  • Geschäftsführer:
    Ing. Johann Höllwart 
  • Gesellschafter: 
    SFL holding GmbH            (99 %)
    Ing. Johann Höllwart          (  1 %)
  • Betroffene Dienstnehmer: 
    Keine
  • Betroffene Gläubiger: 
    ca. 470 (im Verfahren 2017 angemeldet – inkl. Dienstnehmerforderungen)
  • Passiva: 
    rd. EUR 57,5 Mio. 
  • Aktiva: 
    rd. EUR  32,3 Mio. (darunter anhängige Prozesse als Aktivposition in Höhe von ca. EUR 22,4 Mio. ausgewiesen) 

Insolvenzursachen (lt. Schuldnerangaben):  
Im Verfahren 2017 lagen die Insolvenzursachen im Wesentlichen in den Auswirkungen des Projektes „Belvedere“ in Wien gelegen. 

Die Antragstellerin wurde von 4 Projektgesellschaften aus der SIGNA Gruppe mit der Erbrin-gung von Alu, Stahl- und Glasfassaden Leistungen beauftragt. Das Projektvolumen betrug ca. 30 Mio. Euro. Im Mai des Jahres 2017 haben die Auftraggeber mitgeteilt, dass die SFL in Ver-zug sei und für Arbeiten eine Nachfrist zur Erfüllung gesetzt. Die Auftraggeber haben - aus Sicht der Antragstellerin ungerechtfertigt - den Vertragsrücktritt erklärt. Die  aus bereits erbrachten Leistungen resultierenden Werklohnansprüche in Höhe von rd. 16,7 Mio. Euro wurden beim HG Wien eingeklagt und sind nach wie vor gerichtsanhängig. Nach Abschluss des Insolvenzverfahrens 2018 wurden die Prozesse fortgesetzt.

Dieser Ausfall war nicht zu kompensieren und führte dieser in eine Liquiditätskrise.

Nach Abschluss des vorangegangenen Insolvenzverfahrens mit einem Sanierungsplan war man im Unternehmen positiv gestimmt, anhängige Gerichtsverfahren zu einem Abschluss zu bringen. Die Liquiditätskrise sollte dadurch beseitigt werden und plante man wieder in einen „Vollbetrieb“ überzugehen und neue Projekte zu akquirieren. 

Die Schuldnerin gibt zu den erneuten Insolvenzursachen an, dass es nicht gelang das Projekt des Elektrofahrzeuges „ELI“ zur Quotenfinanzierung heranzuziehen. Dieses Projekt ist nicht mehr als werthaltig anzusehen. Es kam zu einem Entwicklungsrückstand und ohne Zufuhr weiterer Mittel war dieses nicht mehr verwertbar. Eine Investorensuche blieb erfolglos.
Es gelang in weiterer Folge nicht, nachhaltige Aufträge für das schuldnerische Unternehmen zu erlangen, weitere Kreditierungen wurden nicht gegeben, Fremdmittel wurden nicht zuge-führt.
Eine angedachte umfassende Regelung mit dem Bankensektor kam nicht zu Stande.
Die Schuldnerin gibt an, dass von Seiten der Eigentümersphäre umfangreiche Zahlungen geleistet wurden um einen Fortbetrieb zu ermöglichen.
Es traten am Markt jedoch nicht die erhofften Voraussetzungen ein um wirtschaftlich wieder reüssieren zu können.

Im schuldnerischen Betrieb sind keine Dienstnehmer mehr beschäftigt.

Da der Sanierungsplan aus dem Jahre 2018 nicht erfüllt werden konnte kommt es zu einem quotativen Wiederaufleben der Insolvenzforderungen.

Weitere verfahrensrelevante Daten:
Das schuldnerische Unternehmen wurde mit der Erklärung über die Errichtung der 
Gesellschaft vom 14.11.2002 errichtet. Der Betrieb wurde ursprünglich 1993 von 
Ing. Johann Höllwart gegründet und hat sich seither vom einfachen Schlosserbetrieb zu 
einem Industrieunternehmen entwickelt. 

Eine Fortführung des schuldnerischen Unternehmens ist nicht angedacht.

Ein Sanierungsplan wird zumindest vorerst nicht angestrebt.

Der zu bestellende Insolvenzverwalter wird die zahlreichen - rechtlichen - Sachverhalte ab-zuarbeiten haben. Die Angaben der Antragstellerin werden durch diesen zu überprüfen sein. 


Die Angaben konnten in der kurzen Zeit vom KSV1870 noch nicht überprüft werden.  Der KSV1870 bietet allen Gläubigern an, sie in diesem Fall zu vertreten. Unterlagen bitte per E-Mail an ins.graz@ksv.at senden.

Graz, 03.04.2019

Rückfragen: 

René Jonke
Leiter Standort Graz und Region Süd
Telefon 050 1870 2012
E-Mail jonke.rene@ksv.at

Mag. Georg Ebner
Leiter Insolvenz Graz
Telefon: 050 1870-2035, E-Mail: ebner.georg@ksv.at