Insolvenzursachen 2015: Jedes zweite Unternehmen scheitert an der Chefetage

Insolvenzursachen 2015

KSV1870 analysiert die Ursachen der Insolvenzen 2015 im 10-Jahres-Vergleich

 
Wien, 16.08.2016 – Die Hälfte (51 %) der Pleiten des Vorjahres lassen sich auf interne Fehler zurückführen. Durch mehr Know-how bzw. bessere Fähigkeiten im oberen Management hätten viele Unternehmenszusammenbrüche vermieden werden können. Diese Ursache ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und hat im 10-Jahres-Vergleich (2006: 36 %) nun einen Höchststand erreicht. Rückläufig ist hingegen Fahrlässigkeit mit 11 % - 2006 waren das noch 22 %, was einem Rückgang von 11 % Prozentpunkten entspricht. Auch Kapitalmangel ist immer seltener die Ursache. Die Schlußfolgerung: Es sind immer weniger vorsätzliches Fehlverhalten, Überheblichkeit oder überzogene Risikobereitschaft die Auslöser für Insolvenzen. Mehrheitlich scheitern die Betriebe an fachlicher Unwissenheit, also schweren internen Fehlern.
 


Fehlende Planung, falsche Kalkulationen, unterschätzte Kostensteigerungen oder Absatzschwierigkeiten – oft mangelt es in den Betrieben an fundamentalem Know-how und es es kommt zu schwerwiegenden „internen bzw. innerbetrieblichen Fehlern“. „Damals wie heute sind Personen in den obesten Rängen zugange, die das kaufmännische Einmaleins nicht ausreichend beherrschen. Jedoch erfordern viele Aufgaben heute auch mehr Fachkenntnis als noch vor 10 Jahren – man denke nur an das Steuerrecht, das Jahr für Jahr komplexer wird. Hinzu kommt, dass das Aufgabenspektrum des heutigen Managements bedeutend vielfältiger ist als noch vor 10 oder 20 Jahren. Die bürokratischen Auflagen werden immer mehr und es kommen stetig neue Themen hinzu – Stichwort Compliance, Datenschutz, Barrierefreiheit, etc. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob das Management die richtigen Prioritäten setzt, ausreichend Zeit für die überlebenswichtigen Aufgaben aufwendet und die restlichen Themen delegiert“, analysiert Dr. Hans-Georg Kantner, Leiter Insolvenz beim KSV1870.
 
Chefs heute sorgfältiger und achtsamer
Die Insolvenzursache „Fahrlässigkeit“ unterscheidet sich von reinen „internen Fehlern“ insofern als bei Fahrlässigkeit das Managements durchaus gewisse Fehlentwicklungen hätten voraussehen müssen, jedoch darüber hinweg gegangen ist. Dieser Mangel an Sorgfalt war im Vorjahr bei 11 Prozent der Unternehmen der Grund für die Pleite. Noch 2006 war fahrlässiges Verhalten bei 22 % der Unternehmen der Pleitegrund. Persönliches Verschulden – ebenfalls dem Management zuzuordnen - ist mit aktuell 9 % niedrig. Die vergangenen 10 Jahre zeigen eine Wellenbewegung, die vom Anstieg und Rückgang der betrügerischen Handlungen gekennzeichnet ist. In der Rückschau bleibt die Ursache meist im einstelligen Prozentbereich.
 
Das Geld fehlt bei 9 %
Auf den ersten Blick überraschend: Obwohl die Unternehmen Österreichs traditionell vorsichtig sind, wenn es darum geht, Investoren ins Boot zu holen, ist auch der Kapitalmangel als Ursache zurückgegangen. Und zwar von 16 % (2006) auf 9 % im Vorjahr.  In Zeiten von Basel III ist das Bewusstsein für solide Unternehmensfinanzierung merkbar gestiegen. Man weiß, dass der schnelle Kredit in der gewünschten Höhe nicht immer gewährt wird und sorgt daher vermehrt für eine solide Grundausstattung.
 
Insolvent durch externen Schock
Externe Ursachen wie eine veränderte Marktlage, überraschende Steuererhöhungen oder Kreditrestriktionen sind einmal mehr und einmal weniger Thema gewesen. Sie oszilieren zwischen 10 und 20 Prozent. 2015 wurden 15 Prozent der Pleiten von solchen Gründen verursacht.
 
 
Zur Analyse: Die Experten des KSV1870 werten in ca. 95 % aller Insolvenzfälle die Ursachen aus. Der Einfachheit halber tun sie das nach einem Multiple Choice-Verfahren, das 18 typische Ursachen vorgibt. Dadurch entstehen klare und trennscharfe Ergebnisse.
 
 
Für den Inhalt verantwortlich:
Dr. Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz
 
Rückfragenhinweis:
Karin Stirner, Leiterin Unternehmenskommunikation
KSV1870 Holding AG, Wagenseilgasse 7, 1120 Wien
Telefon: 050 1870-8226, E-Mail: stirner.karin@ksv.at

 

Insolvenzursachen 2015 in Zahlen

Fahrlässigkeit

  • Ungenügende Kenntnis des praktischen Wirtschaftslebens, mangelnde Branchenkenntnis, mangelhaftes Rechnungswesen
 

4 %
 
  • Unvermögen der differenzierten Beurteilung der Wirtschaftsvorgänge, Gründungsfehler, Unerfahrenheit
7 %  
  • Übermäßige Investitionen und überflüssige Betriebserweiterungen
0 % 11 %

 
Externe Auslöser/Verlustquellen

  • Geänderte Marktlage, geänderte Konkurrenzsituation, Kreditrestriktionen, Lohn- und Steuererhöhungen usw.
 
14 %
 
  • Insolvenz von Abnehmern
0 %  
  • Ausfall von Lieferanten
1 % 15 %

 
Fehler bzw. Verlustquellen im innerbetrieblichen Bereich

  • Fehlen des unbedingt notwendigen kaufmännischen Weitblicks, der rationellen Planung bei Funktionsänderungen, Absatzschwierigkeiten
 

40 %
 
  • Kalkulationsfehler, Produktionsmisserfolge
7 %  
  • Mangelnde Beobachtung der Wirtschaft, Angebot-Nachfrage, Zinsen- und Kostensteigerungen, Umstrukturierungen, Differenzen in der Geschäftsführung usw.
 

4 %
 

51 %

 
Persönliches Verschulden

  • Überhöhte  private Entnahmen
1 %  
  • Spekulationen
0 %  
  • Vernachlässigung der Geschäftsführung
3 %  
  • Betrügerische Handlungen
5 % 9 %

 
Kapitalmangel

  • Das im Unternehmen vorhandene Kapital ist zu gering, um den vom Betrieb geforderten Aufwand zu befriedigen.
 

8 %
 
  • Unterschätzung der Bedeutung von Eigenkapital gepaart mit Absicht, Fremdkapital einzusetzen
1 % 9 %

 
Sonstige Ursachen

  • Krankheit
3 %  
  • Unglücksfälle durch höhere Gewalt
1 %  
  • Sonstige Ursachen außerhalb der Einflusssphäre des Unternehmens, z. B. Versorgungsschwierigkeiten mit Rohmaterialien, Streiks usw.
 

1 %
 

    5 %

Gesamt                                                                                           100 %