Insolvenzstatistik I. Halbjahr 2017 final

05.07.2017

 

Deutlich weniger Dienstnehmer von Unternehmensinsolvenzen betroffen!

Wien, 05.07.2017 - Die Berechnung zum ersten Halbjahr zeigt einen Rückgang der Unternehmensinsolvenzen um fast 3 % und damit eine Fortsetzung des moderaten Trends aller österreichischen Bundesländer. Einzige Ausnahme ist Niederösterreich mit einem Zuwachs von 17 % bei den Gesamtinsolvenzen gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016. Allgemein dürfte die ruhige Lage bei den Unternehmensinsolvenzen bis Jahresende bestehen bleiben.
 
Im ersten Halbjahr wurden 1.531 Unternehmen insolvent (= - 6 %). Mangels Vermögens konnten 1.043 Fälle nicht eröffnet werden (= + 1,6 %). Insgesamt waren es damit 2.574 insolvente Unternehmen mit Verbindlichkeiten von EUR 668 Millionen (= - 63 %). Dieser starke Rückgang bei den Passiva hängt mit drei Großverfahren im Vorjahr zusammen, die mit der österreichischen Wirtschaft kaum Berührungspunkte hatten. Doch auch wenn man diese drei untypischen Fälle herausrechnet, betragen die Passiva immer noch um 25 % weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Auch bei den betroffenen Dienstnehmern gab es mit insgesamt 7.200 Personen einen Rückgang von 24 %.

Insolvenzstatistik Unternehmen I. Halbjahr 2017 final

 

Privatkonkurs: Warten auf den Tsunami:
Ein Drittel weniger Privatkonkurse zum ersten Halbjahr 2017

 
Die Zahl der verschuldeten Personen ist nicht weniger geworden, die Zahl der Privatkonkurse schon, sogar um ca. 30 %. Es wurden nur 2.976 Verfahren eröffnet. Die Verbindlichkeiten gingen um ca. 35 % zurück, da vor allem die höher Verschuldeten mit der Anmeldung zuwarten.
 
Das Arbeitsprogramm, das die Bundesregierung am 30.1.2017 bekanntgab, enthielt einen radikalen Umbau des Systems der Schuldenregulierung: Das Abschöpfungsverfahren soll von derzeit sieben auf drei Jahre verkürzt werden und die Mindestquote (10 % für absoluten Rechtsanspruch auf Schuldentilgung) gänzlich fallen, zusammengefasst also „drei Jahre ohne Quotenerfordernis“. Es verwundert daher nicht, dass Schuldner ihre Anträge zurückhalten in der Hoffnung, rascher und mit deutlich weniger Leistung entschuldet werden zu können.

Insolvenzstatistik Private I. Halbjahr 2017 final