Insolvenz: Erste Gerichtsverhandlungen bei Imperial, Cordial und Reifen Bruckmüller

09.01.2018

In den aktuellen oberösterreichischen Großverfahren Imperial, Cordial und Reifen Bruckmüller traf man sich heute das erste Mal bei Gericht: Es fanden Gläubigerversammlungen, Berichts- und Prüfungstagsatzungen statt. Der KSV1870 war an beiden Schauplätzen dabei und informiert über die aktuellen Sachstände.

 
Imperial Kapitalbeteiligungsges.m.b.H. & Co KG, Linz:

 
In diesem Verfahren des LG Linz berichtete der Masseverwalter über seine Erhebungen, wonach rund 12.100 atypischen stillen Gesellschaftern aus insgesamt etwa 14.000 offenen Verträgen Gesamtforderungen von knapp 57 Millionen Euro zustehen.
Innerhalb der Anmeldefrist, die bis 27.12.2017 gelaufen ist, haben aber erst rund 3.000 dieser meist privaten Gläubiger angemeldet. Deren Forderungen hat der Masseverwalter mit zusammen 15,4 Millionen Euro anerkannt.
 

Ein ähnliches Bild bei der Cordial Ferienclub AG, Linz:

 
Auch hier ist heute am LG Linz verhandelt worden. Gläubiger sind hier im Wesentlichen 6.600 Cordial Clubmitglieder, deren Verträge vom Masseverwalter aufgelöst worden sind und denen jetzt statt kostenlosen Urlauben in den Clubhotels finanzielle Entschädigungsansprüche von zusammen 29,1 Millionen Euro zustehen. Bisher haben knapp 4.000 Clubmitglieder angemeldet. Deren Forderungen hat der Masseverwalter mit 16 Millionen Euro anerkannt.
 
Wesentliche Gründe für die noch vielen fehlenden Anmeldungen in beiden Verfahren sind der hohe Anteil ausländischer Gläubiger, die erst mit den Usancen des österreichischen Insolvenzrechts vertraut werden müssen und die Urlaubs- und Ferienzeit, in welche die Anmeldefrist hineingefallen ist. Der KSV1870 hat sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass das Anmeldeverfahren noch weiter verlängert wird, damit möglichst viele der geschädigten Gläubiger die Chance bekommen, ihre Ansprüche noch anzumelden und am Verfahren teilzunehmen. Anmeldungen werden jetzt auch noch den ganzen Jänner und Februar möglich sein. Die Sanierungsplantagsatzungen wurden vom 13. Februar auf den 22. März 2018 verlegt.
 
Mit welchem Ergebnis die Gläubiger in diesen beiden Sanierungsverfahren rechnen können, wurde noch nicht verhandelt und ist auch noch nicht einfach zu beantworten. Die Ermittlung des Wertes der vorhandenen Aktiven der beiden Firmen ist voll im Gange. Vorläufig wird ja nur die gesetzliche Mindestquote von 20 Prozent von den Schuldnerfirmen angeboten. Die Aussichten für die Gläubiger, mehr als diese 20% zu erhalten, scheinen aber gar nicht so schlecht zu sein. Es gibt Gutachten, die allein den 3 Cordial-Hotels in Tirol (Going, Reith bei Kitzbühel, Achenkirch) einen Wert zwischen 13,5 bis 16,8 Millionen Euro zuerkennen. Noch bleibt aber abzuwarten, welches Ergebnis die endgültigen Wertfeststellungen und künftigen Verhandlungen über die Sanierungspläne erbringen können.
 

Reifen Bruckmüller:

 
Hier finden heute Nachmittag am LG Steyr die ersten Tagsatzungen in den ersten 4 der insgesamt 10 Insolvenzverfahren (auch alles Sanierungsverfahren mit dem Angebot der 20%igen Mindestquote) statt. Es geht um folgende Firmen: 

  • Hans Bruckmüller Reifengroßhandel GmbH, 4550 Kremsmünster
  • Reifen Bruckmüller GmbH, 4600 Wels
  • Reifen Bruckmüller GmbH, 4522 Sierning
  • „BRM“ KFZ-Leasing Dr. Othmar Bruckmüller, 4522 Sierning

Die Summe der angemeldeten Insolvenzforderungen in allen vier Verfahren beträgt rd. 103 Millionen Euro, wovon knapp 80 Millionen Euro vorerst anerkannt worden sind. Darin enthalten sind Mithaftungen vor allem gegenüber Banken in Höhe von 28 Millionen Euro, sodass die angemeldeten Forderungen konsolidiert mit rund 75 Millionen Euro anzunehmen sind. Auch hier ist noch mit weiteren Forderungsanmeldungen zu rechnen, sodass sich die konsolidierten Verbindlichkeiten noch auf 85 bis 90 Millionen Euro erhöhen können.
 
Bei Insolvenzeröffnung waren 119 Dienstnehmer beschäftigt. Derzeit sind es durch Schließung einiger Unternehmensbereiche nur noch 44. Die bisherigen Ergebnisse der Unternehmensfortführung sind negativ. Die Bewertung des vorhandenen Vermögens ist zwar noch nicht abgeschlossen, jedoch rechnen die Masseverwalter nicht mit einer Quote im zweistelligen Bereich, wenn die Unternehmen geschlossen und verwertet werden müssen. Interessenten für die Unternehmen wurden bereits vorstellig, es gibt aber noch keine konkreten Angebote. Ob sich der Sanierungsplan realisieren lässt, scheint fraglich zu sein. Bis in 4 Wochen muss es sich aber entscheiden, denn am 6.2.2018 finden beim Landesgericht Steyr die Sanierungsplantagsatzungen statt.
 
 
Rückfragen:

Mag. Otto Zotter
KSV1870 Leiter Standort Linz
Mozartstraße 11, 4020 Linz
Telefon: 050 1870-DW 4030
E-Mail: insolvenz.linz@ksv.at

Weitere Pressemeldungen zu den einzelnen Insolvenzverfahren:
IMPERIAL-Insolvenz: Jetzt Forderungen anmelden!
31.10.2017: Großinsolvenz: IMPERIAL-Gruppe, 4020 Linz
31.10.2017: Großinsolvenz IMPERIAL-Gruppe - Verfahrensdaten

19.12.2017: Großinsolvenz: Reifen Bruckmüller-Gruppe - weitere Insolvenzen Linz/Sierning/Wien
15.12.2017: Insolvenz der Firmengruppe Reifen Bruckmüller weitet sich aus
09.11.2017: Reifen Bruckmüller-Gruppe, OÖ