Insolvenzstatistik 1. Halbjahr 2023 final

Unternehmensinsolvenzen um 12 Prozent gestiegen 

Die Zahl der Firmenpleiten steigt weiter und befindet sich aktuell knapp über dem Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2019.  


19.07.2023 – Laut aktueller KSV1870 Analyse sind im ersten Halbjahr 2023 in Österreich 2.625 Unternehmen (+ 11,9 % gegenüber 2022) von einer Insolvenz betroffen. Den größten Zuwachs verzeichnet Kärnten (+ 53 %), den deutlichsten Rückgang meldet das Burgenland (- 3,1 %). Weiters haben sich die vorläufigen Passiva* um 33 Prozent auf 1,09 Mrd. Euro erhöht. Die bis dato größte Firmenpleite betrifft die Leiner & kika Möbelhandels GmbH mit geschätzten Passiva* von 132 Mio. Euro. Zudem ist die Zahl der betroffenen Mitarbeiter auf 11.200 Personen (+ 60 %) und jene der betroffenen Gläubiger auf 21.500 Geschädigte (+ 56,9 %) angewachsen. Mit Blickrichtung Jahresende werden bis zu 5.300 Firmenpleiten erwartet.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen hat sich in den vergangenen Monaten konsequent erhöht. Demnach waren im ersten Halbjahr 2023 in Österreich 2.625 Betriebe von einer Insolvenz betroffen. Das sind um 11,9 Prozent mehr Fälle als im Vergleichszeitraum des Vorjahres und im Schnitt rund 14 Firmenpleiten pro Tag. Im Vergleich zum Jahr 2019, dem letzten „Normaljahr“ vor der Corona-Krise, gab es seit Jänner 2023 um rund 60 insolvente Unternehmen mehr. Weiters sind auch die mangels Kostendeckung nicht eröffneten Fälle um 12 Prozent auf 1.074 Fälle gestiegen. Aufgrund dieser Entwicklung plädiert der KSV1870 dafür, darüber nachzudenken, ob in Zukunft auch bis dato mangels Kostendeckung abgewiesene Fälle eröffnet werden sollen. Denn es kommt nicht selten vor, verwertbare Assets zu finden, die zugunsten der Gläubiger ausgelegt werden könnten. „Es muss verhindert werden, dass finanziell gesunde Unternehmen aufgrund eines insolventen Geschäftspartners selbst ins Straucheln geraten. Dazu zählt unserer Meinung auch, etwaige Assets der nichteröffneten Fälle genau unter die Lupe zu nehmen. Passiert das nicht, verlieren die Betriebe noch mehr Geld als das ohnehin schon der Fall ist“, so MMag. Karl-Heinz Götze, MBA, Leiter KSV1870 Insolvenz.  

Leiner/Kika-Insolvenz lässt Passiva* steigen

Parallel zu den aktuellen Fallzahlen haben sich auch die vorläufigen Passiva* erhöht – und zwar um 33 Prozent auf 1,09 Mrd. Euro. Geschuldet ist diese Entwicklung vor allem der aktuell größten Firmenpleite des Jahres, der Insolvenz rund um die Leiner & kika Möbelhandels GmbH, wo rund 132 Mio. Euro an Verbindlichkeiten zu Buche stehen. Ein Blick in die Bundesländer zeigt, dass insbesondere Tirol von einem massiven Anstieg der Passiva* betroffen ist. Dieser ist in erster Linie auf die bis dato viertgrößte Pleite des Jahres, jene der „Pharmazeutische Fabrik Montavit Gesellschaft m.b.H.“ mit einem Volumen von 45,2 Mio. Euro, zurückzuführen. Den deutlichsten Rückgang verzeichnete das Burgenland, wo die Passiva* von 42 Mio. Euro auf 20 Mio. Euro gesunken sind. 

Die gesamte Analyse zur Insol­venz­ent­wick­lung zum Down­load:

Insolvenzstatistik Unternehmen 1. Halbjahr 2023
> Insolvenzstatistik Private 1. Halbjahr 2023
 

Mehr Privatkonkurse im ersten Halbjahr 2023

Während die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren in den ersten sechs Monaten des Jahres leicht gestiegen ist, ist das Schuldenausmaß fast gleich geblieben. 


Laut aktueller KSV1870 Analyse wurden im ersten Halbjahr 2023 in Österreich 4.549 eröffnete Schuldenregulierungsverfahren (25 Fälle pro Tag) gezählt. Das entspricht einem Plus von 5,3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Den größten Zuwachs (+ 40,8 %) verzeichnet Vorarlberg, den deutlichsten Rückgang (- 15,8 %) vermeldet die Steiermark. Gleichzeitig sind die vorläufigen Passiva* mit 1,9 Prozent auf 489 Mio. Euro leicht gestiegen. Das bedeutet eine durchschnittliche Schuldenhöhe von rund 107.000 Euro pro Schuldner. Zum selben Zeitpunkt des Vorjahres waren es noch 111.000 Euro. 

Die finanzielle Situation vieler Menschen in Österreich gestaltet sich auch im ersten Halbjahr 2023 schwierig. Die Kosten für Lebensmittel, Miete und Strom sind nach wie vor auf einem hohen Niveau und bereiten der Bevölkerung Probleme. Trotz dieser herausfordernden Situation ist die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres nur im überschaubaren Ausmaß gestiegen – und zwar um 5,3 Prozent auf 4.549 Fälle. Das entspricht rund 25 Privatkonkursen pro Tag. „Auch wenn der aktuelle Anstieg im Rahmen ist, braucht es zielgerichtete Lösungen, um die Menschen in Österreich nachhaltig zu entlasten. Vor allem für jene Menschen, die bereits vor der Teuerungswelle Probleme hatten, finanziell über die Runden zu kommen. Andernfalls wird die Rechnung nicht mehr allzu lange aufgehen und die Zahl der Privatkonkurse deutlich steigen“, erklärt MMag. Karl-Heinz Götze, MBA, Leiter KSV1870 Insolvenz. Zum Vergleich: Im Jahr 2019, und damit vor der Corona-Krise und den massiven Preissteigerungen, wurden bis zum Halbjahr knapp 5.000 Privatkonkurse eröffnet. „Die Menschen gehen in Krisenzeiten vorsichtiger mit ihrem Geld um und sparen an allen Ecken und Enden. Dennoch werden bei der aktuellen Kostenpolitik eher heute als morgen die privaten Reserven vieler Menschen aufgebraucht sein“, so Götze.  

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