Insolvenz: Nothegger Transport Logistik GmbH

  • Die Masseverwaltung erkennt Insolvenzforderungen in Höhe von 15,4 Millionen Euro  an. 

  • Die Schuldnerin versucht, eine Einigung mit den Gläubigern zu erzielen. 
     

Im Insolvenzverfahren der Nothegger Transport Logistik GmbH hat die Insolvenzverwaltung in der Prüfungstagsatzung Insolvenzforderungen in Höhe von 15,4 Millionen Euro anerkannt. Bisher bestritten geblieben sind Gläubigeransprüche in Höhe von knapp 21 Millionen Euro. Der KSV1870 erwartet, dass die festgestellten Forderungen noch deutlich ansteigen werden.

Bei Insolvenzeröffnung im März 2026 fanden die Rechtsanwälte der zur Insolvenzverwalterin bestellten HRR Rechtsanwälte GmbH eine denkbar schwierige Unternehmenssituation vor – insbesondere die Liquiditätssituation erwies sich als äußerst prekär.

Um einen Betrieb mit knapp 200 Mitarbeitern (weitere knapp 200 LKW-Fahrer sind bei einer Schwestergesellschaft der Insolvenzschuldnerin beschäftigt) in einem Insolvenzverfahren fortführen zu können, müssen ausreichend liquide Mittel vorhanden sein. Bei Insolvenzeröffnung waren sämtliche fakturierte Kundenforderungen an die finanzierende Bank abgetreten. Zudem betragen die Zahlungsfristen in der Transportbranche einige Wochen. Sohin wurden nach Insolvenzöffnung erbrachte Leistungen erst später liquiditätswirksam. Demgegenüber fordern die meisten Lieferanten der Schuldnerin Vorauskasse auf ihre Leistungen.

Trotz aller Widrigkeiten gelang es der Insolvenzverwalterin bisher, den operativen Betrieb aufrecht zu erhalten. Rechtsanwalt Mag. Walter Rupprechter und Rechtsanwalt Mag. Ing. Stefan Rass von der Insolvenzverwalterin berichteten dem KSV1870, dass von Seiten der Familie Nothegger eine Fortführungskaution in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro kurzfristig beigebracht wurde. Zudem gelang es, Liquidität im Ausmaß von einer Million Euro durch eine rasche Abschichtung einer Beteiligung zu generieren. Parallel dazu wurden diverse Verrechnungskonten, welche Ansprüche der Insolvenzschuldnerin in Höhe von mehreren hunderttausend Euro gegen Personen im Nahbereich der Eigentümer der Insolvenzschuldnerin aufwiesen, zügig ausgeglichen.

Die Liquiditätssituation bleibt jedoch angespannt, weil die Insolvenzverwalterin auf möglichst rasche Zahlungseingänge der Kunden aus den erbrachten Transportleistungen angewiesen ist und sich das Zahlungsverhalten der Kunden nur sehr eingeschränkt beeinflussen lässt. Die aktuell aus der Fortführung offenen Kundenforderungen belaufen sich derzeit auf mehr als 6 Millionen Euro. 

Historisch große Firmenpleite

Klaus Schaller, Leiter des KSV1870, erklärt: „Das Insolvenzverfahren über die Firma Nothegger Transport Logistik GmbH ist im Hinblick auf die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter die größte Unternehmensinsolvenz in Tirol seit 15 Jahren. Die Geschäftsleitung strebt eine Sanierung ihres Unternehmens an und es wird sich in den nächsten Wochen zeigen, ob eine Einigung mit den Gläubigern gefunden werden kann. Klar ist, dass mit der bisherigen Fortführung des operativen Betriebes durch die Insolvenzverwaltung ein erster Schritt in die richtige Richtung gemacht wurde. Ob die Verhandlungen letztlich zu einem positiven Abschluss gebracht werden können, lässt sich aktuell kaum einschätzen. Der Fortbestand der Arbeitsplätze der knapp 200 Mitarbeiter ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesichert.“

Vermögen ist überschaubar

Das bei der Insolvenzschuldnerin vorhandene Vermögen ist in Relation zu den bestehenden Verbindlichkeiten nach Angaben der Insolvenzverwaltung recht überschaubar. Der KSV1870, welcher einen großen Teil der betroffenen Gläubiger in diesem Verfahren vertritt, wird ein etwaiges Sanierungsangebot der Insolvenzschuldnerin jedenfalls im Detail prüfen. Neben der Höhe der Quote spielt in diesem Fall die Frage, wie diese Quote sodann finanziert werden soll, eine zentrale Rolle. Die Insolvenzschuldnerin hat in den kommenden Wochen belastbare Unterlagen beizubringen. Der KSV1870 wird in den anstehenden Verhandlungen mit der Geschäftsleitung der Insolvenzschuldnerin jedenfalls auf einen spürbaren Sanierungsbeitrag aus der Sphäre der Eigentümer bestehen.

Innsbruck, 11. Mai 2026


Rückfragenhinweis:
MMag. Klaus Schaller 
KSV1870 Regionalleiter West
Telefon 050 1870-3030 
E-Mail: klaus.schaller@ksv.at