KSV1870 Insolvenzstatistik 2017 final

08.01.2018

All time-low bei Unternehmensinsolvenzen:
Im Durchschnitt nur 12 Verfahren pro Gerichtstag

Wien, 05.01.2018 - Auch 2017 war die Zahl insolventer Unternehmen mit nur 5.079 leicht rückläufig. Das ist ein Minus von 2,8 % gegenüber 2016.
 
Die Erwartungen haben sich nicht erfüllt, an der Insolvenzfront bleibt es ruhig.
Insgesamt wurde über 3.025 Unternehmen ein Insolvenzverfahren an einem der
16 Handelsgerichte (Landesgerichte in Handelsgerichtsbarkeit) eröffnet, was ca. 12 Verfahren pro Gerichtstag entspricht. Betroffen waren ca. 16.300 Dienstnehmer (= ein Minus 15 %), die Verbindlichkeiten nahmen gegenüber 2016 sogar um 35 % auf EUR 1,9 Milliarden ab.

Unternehmensinsolvenzen 2017 2017 2016 Veränderung
Eröffnete Insolvenzen 3.025 3.163 - 4,4 %
Nichteröffnete Insolvenzverfahren
(mangels kostendeckenden Vermögens)
2.054 2.063 - 0,4 %
Gesamtinsolvenzen 5.079 5.226 - 2,8 %
Geschätzte Insolvenzverbindlichkeiten
in EUR
1.863 Mio. 2.867 Mio. - 35,0 %

Über das Vermögen von 2.054 Unternehmen wurde kein Verfahren eröffnet, weil die Gerichte das Vermögen für nicht kostendeckend ansahen und weder Schuldner noch Gläubiger in der Lage bzw. bereit waren, einen Kostenvorschuss zu erlegen. Dieser Wert liegt auch unter dem Vorjahr, allerdings nur 0,4 %.
 
Die knapp über 5.000 insolventen Unternehmen 2017 bedeuten den niedrigsten Wert seit 20 Jahren. 1998 hatte es aufgrund einer Insolvenzrechtsreform (IRÄG 1997) nur 4.816 Fälle gegeben. Grund war damals eine wesentlich längere und aufwändigere Prüfung durch die Gerichte. Bereits im Folgejahr stiegen die Insolvenzen wieder aufgrund eines Nachzieheffekts.
 
Besonders deutlich wird der Rückgang im Jahr 2017, wenn man ihn an der Zahl der ca. 430.000 aktiven Unternehmen (ohne Ein-Personen-Unternehmen) in Österreich misst. Dieser Vergleich ergibt eine Insolvenzhäufigkeit der österreichischen Unternehmen von einmalig niedrigen 1,2 %.

Hinweis: Die vollständige Analyse zu den Unternehmensinsolvenzen 2017 steht Ihnen zum Download zur Verfügung.

 

Privatinsolvenzen: Rückgang an Verfahren, jedoch Anstieg der Schulden pro Fall

Wien, 05.01.2018 – Im Jahr 2017 wurden insgesamt 6.921 Insolvenzverfahren über natürliche Personen eröffnet, die kein Unternehmen betrieben (= - 13,6 % gegenüber 2016). Die gesamten Schulden betrugen 2017 ca. EUR 980 Mio., das sind - 4,9 % im Vergleich zu 2016. Die durchschnittliche Einzelverschuldung pro Fall jedoch stieg von den EUR 128.600,- des Vorjahrs auf nunmehr EUR 141.600,-.

Privatkonkurse 2017 2017 2016 Veränderung
Eröffnete Schuldenregulierungsverfahren 6.921 8.011 - 13,6 %
Geschätzte Insolvenzverbindlichkeiten in EUR 980 Mio. 1.030 Mio. - 4,9 %

Dieser Anstieg ist von Schuldnern mit hohen Verbindlichkeiten verursacht, die erst nach Inkrafttreten der neuen Rechtslage ab 1.11.2017 ihre Anträge gestellt haben. Generell ist auch der Rückgang der Gesamtanzahl der Fälle über das Jahr 2017 dieser überfallsartig beschlossenen und wenig ausgefeilten Novelle des Privatkonkurses geschuldet, die ein Zuwarten vieler Schuldner mit ihren Anträgen nach sich zog.

Hinweis: Die vollständige Analyse zu den Privatkonkursen 2017 steht Ihnen zum Download zur Verfügung.

Rückfragenhinweis:
Karin Stirner
Leiterin KSV1870 Unternehmenskommunikation
Telefon 050 1870-8226, E-Mail: stirner.karin@ksv.at