Pressemeldung: Privatkonkurse gehen durch die Decke!

20.03.2018

Hier geht's zur finalen Insolvenzstatistik 1. Quartal 2018

Unternehmensinsolvenzen 1. Quartal 2018

Hochrechnung

Wien, 20.03.2018 – In den ersten drei Monaten des Jahres sind 1.330 Unternehmen insolvent geworden. Das ist ein Zuwachs von 2,5 % gegenüber dem Vergleichszeitraum 2017. Geringfügig rückläufig sind die 780 eröffneten Insolvenzverfahren mit knapp einem Prozent. Die davon betroffenen Verbindlichkeiten lagen jedoch mit ca. EUR 515 Mio. mehr als 70 % über dem Vorjahr. Auch die Zahl der betroffenen Dienstnehmer hat extrem zugenommen: Rund 7.500 Personen waren im ersten Quartal mit der Pleite ihres Dienstgebers konfrontiert – ein Zuwachs von 83 %.
 
Seit 2010 sind die Insolvenzzahlen rückläufig und seit etwa zwei Jahren verharren sie im Wesentlichen auf tiefem Niveau. Einmal mit leichtem Zuwachs, dann wieder mit leichtem Rückgang. „Die schönen Tage dürften allerdings vorbei sein und die Prognose des KSV1870, der zufolge die Talsohle durchschritten wurde, hat sich nunmehr bewahrheitet“, so Dr. Hans-Georg Kantner, Leiter Insolvenz KSV1870. „Doch nicht nur die Zahl der Fälle hat zugenommen, sondern auch die volkswirtschaftlich wesentlich bedeutsameren Kennzahlen Verbindlichkeiten und betroffene Dienstnehmer.“
 
Starke Unterschiede bei den Bundesländern
Es zeigt sich eine extrem uneinheitliche Entwicklung, was in den kleineren Bundesländern durchaus auch der Statistik geschuldet sein kann: So gab es im Burgenland Zuwächse im Bereich von über 80 %, wogegen etwa Tirol einen Rückgang von 30 % verzeichnet. Ein Zuwachs von über 30 % in Kärnten steht einem Rückgang von ca. 8 % in Vorarlberg gegenüber. Diese Entwicklung ist jedoch nicht nachhaltig genug, um daran bereits Trends für das Gesamtjahr 2018 ableiten zu können.  

 

KSV1870 Analyse sowie weitere Detailzahlen finden Sie hier zum Downloaden.

 

Privatkonkurse 1. Quartal 2018

Hochrechnung

Wien, 20.03.2018 – Die eröffneten Schuldenregulierungsverfahren haben österreichweit im ersten Quartal um mehr als 60 % auf 2.712 Fälle zugelegt. Spitzenreiter des Zuwachses ist das Burgenland mit + 356 %, wobei durch die Bank alle Bundesländer ein gewaltiges Wachstum verzeichnen. Bei den absoluten Zahlen rangiert Wien mit einem Anstieg von 219 Fällen (+ 30 %) gegenüber dem Vergleichszeitraum 2017 auf Platz eins. Durchgerechnet auf die Gerichtstage im ersten Quartal 2018 wurden von den Bezirksgerichten täglich mehr als 42 Privatkonkurse eröffnet. 
 
2.712 Fälle in einem Quartal sind ein historischer Spitzenwert. „Umgelegt auf ein ganzes Jahr entspricht das ca. 10.800 Privatkonkursen, wobei es so drastisch nicht kommen wird. Was wir sehen, ist der Nachholbedarf aus dem Vorjahr, als plötzlich Ende Jänner die Bundesregierung ein extrem verkürztes Privatkonkursverfahren ankündigte. Trotz extremer Eile und den damit verbundenen Unschärfen ergab sich letztlich eine Verzögerung bis zum Inkrafttreten des Kerns der Novelle mit 1. November 2017. Das war das Zurückweichen vor dem Tsunami, den wir jetzt im ersten und zweiten Quartal 2018 erleben. Wahrscheinlich werden sich die Zahlen ab der Jahresmitte wieder beruhigen und auf das Langzeitniveau von ca. 8.000 Fällen pro Jahr, also 4.000 im zweiten Halbjahr, sinken“, so die Einschätzung von Dr. Hans-Georg Kantner, Leiter Insolvenz beim KSV1870.
 
Während die Zuwächse in Prozent in Wien vergleichsweise moderat ausfallen, sind der Westen und das Burgenland massiv betroffen. Selbst das Mittelfeld - Niederösterreich, die Steiermark und Oberösterreich - weist sehr starke Steigerungen auf.