Jede fünfte Rechnung wird zu spät bezahlt. Angesichts der historisch schwachen Geschäftslage können vermehrte Zahlungsausfälle rasch zum Stresstest für Unternehmen werden.
Wien, 07.10.2026 – Nun muss auch die bislang gute Zahlungsmoral den jüngsten Krisenjahren Tribut zollen. In Summe wird in Österreich mittlerweile jede fünfte Rechnung (20 %) zu spät bezahlt, im Vorjahr war es jede sechste (17 %). Gleichzeitig verlängert sich die Zahlungsdauer bei Firmenkunden um vier auf 29 Tage. Bei den Ländern beträgt sie 32 und bei den Gemeinden 27 Tage – jeweils ein Plus von einem Tag. Parallel dazu sind nur noch 42 Prozent (Herbst 2025: 47 %) der Unternehmen mit ihrer Geschäftslage zufrieden – das ist der niedrigste Wert seit 2020. Weiters sehen sich die Betriebe häufig mit einer schwachen Umsatzentwicklung konfrontiert, zudem bleiben die Aussichten angespannt: Ein Drittel der Befragten blickt sorgenvoll auf 2027. Einziger Lichtblick: die Privatkunden konnten ihre Zahlungsdauer um zwei auf 13 Tage verkürzen.
Im August 2026 haben lediglich 42 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage mit „sehr gut“ oder „gut“ eingestuft. Das sind um fünf Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr und bedeutet einen historischen Tiefpunkt, wie aus der aktuellen Austrian-Business-Check-Umfrage des KSV1870 hervorgeht. Lediglich im ersten Jahr der Corona-Krise, im Herbst 2020, war die Geschäftslage noch schlechter. „Die Inflation, der anhaltend schwache Konsum und die erneute Verschärfung der Öl- und Energiepreise haben dazu geführt, dass die Geschäftslage auf dem harten Boden der Realität aufgeschlagen ist. Angesichts der aktuellen Situation birgt jede weitere Verschlechterung der Zahlungsmoral ein großes Risikopotenzial, wodurch sich die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen weiter verschlechtern könnte“, erklärt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG. Während zwischen Herbst 2025 und Frühjahr 2026 noch punktuelle Verbesserungen zu beobachten waren, weist die Wirtschaftsentwicklung seit dem heurigen Frühjahr überwiegend nach unten. Im Gewerbe (46 %), im Dienstleistungssektor (44 %) und ganz besonders im Handel (35 %) hat sich die Situation in den vergangenen Monaten zunehmend verschärft. Einzig die Industrie (40 %) konnte ihr (niedriges) Niveau zuletzt halten, wenngleich auch sie im Jahresvergleich an Boden verloren hat. Auf Bundesländerebene gibt es in Vorarlberg (55 %) die meisten Betriebe mit einer positiven Geschäftslage, während Kärnten (35 %) das Schlusslicht bildet.
Erschwert wird die gegenwärtige Situation dadurch, dass sich im Jahresvergleich drei von vier Betrieben (72 %; + 5 Prozentpunkte gegenüber 2025) mit einer rückläufigen (23 %) oder einer maximal gleichbleibenden Umsatzentwicklung (49 %) konfrontiert sehen – nur 28 Prozent haben zuletzt ein Umsatzplus verzeichnet. Ein Grund dafür ist das sich zuletzt wesentlich veränderte Konsumverhalten: So sagt die Hälfte (51 %) der Betriebe, dass Privatpersonen heute weniger Geld ausgeben als vor drei Jahren.
Bei 28 Prozent steht es Spitz auf Knopf
Wie die aktuelle KSV1870 Umfrage zeigt, werden 55 Prozent der Unternehmen laut Eigenangabe das Geschäftsjahr 2026 mit Gewinn abschließen – im Gewerbe (61 %) fällt dieser Anteil am höchsten aus. Während das Gesamtergebnis gegenüber dem Vorjahr ein leichtes Plus von einem Prozentpunkt bedeutet, ist im mehrjährigen Vergleich ein deutlicher Rückgang erkennbar: 2021 haben noch 63 Prozent mit Gewinn abgeschlossen. Darüber hinaus dürften 28 Prozent (2025: 25 %) der Betriebe am Jahresende eine „Schwarze Null“ erzielen – insbesondere die Industrie (32 %) und der Dienstleistungssektor (31 %). „Gelingt es einem Unternehmen nur knapp, schwarze Zahlen zu schreiben, ist das ein Alarmzeichen. Denn in diesen Fällen könnte sich bei weiteren Preiserhöhungen, Umsatzverlusten oder gröberen Zahlungsausfällen rasch die Existenzfrage stellen“, so Vybiral. Weiters erwarten neun Prozent (2025: 11 %) am Jahresende einen Verlust, während bei den restlichen acht Prozent der Ausgang gegenwärtig noch offen ist.
Zahlungsverhalten verschlechtert sich
Nachdem bereits im Vorjahr erste Anzeichen einer Verschlechterung aufgetreten sind, hat sich diese Entwicklung zuletzt fortgesetzt. Während 2021 noch 84 Prozent von einer verbesserten bzw. unverändert guten Zahlungsmoral gesprochen haben, sind es heuer – wie im Vorjahr – 73 Prozent. Gleichzeitig werden nur noch 80 Prozent (2025: 83 %) der Rechnungen pünktlich, also innerhalb des vertraglich vereinbarten Zahlungsziels, beglichen. „Dass bereits jede fünfte Rechnung nicht fristgerecht bezahlt wird, ist Ausdruck der finanziellen Schwierigkeiten der vergangenen Jahre. Zahlungsziele werden zunehmend ausgereizt und immer häufiger überschritten“, erklärt Walter Koch, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH, und ergänzt: „Im Zuge dessen fällt auf, dass es vor allem in höheren Preissegmenten auch zu mehr Totalausfällen kommt als noch vor einigen Jahren.“
Privatpersonen: die löbliche Ausnahme
86 Prozent (2025: 87 %) aller Rechnungen werden seitens der Privatkunden pünktlich bezahlt – das ist auch in diesem Jahr ein Top-Wert. Damit begleichen Privatpersonen auch am schnellsten ihre Rechnungen, was jedoch zum Teil auch mit dem deutlich kürzesten Zahlungsziel (12 Tage) in Verbindung steht. Laut aktueller Umfrage benötigen die Privaten im Durchschnitt um zwei Tage weniger als im Vorjahr und bezahlen offene Forderungen nach 13 Tagen. „Der Großteil der Privatpersonen kommt seinen Verpflichtungen mehr oder minder pünktlich nach und begleicht Rechnungen zeitnah, obwohl die finanziellen Belastungen auch für sie in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. Wie die Ergebnisse zeigen, ist das in anderen Kundenkreisen keine Selbstverständlichkeit“, so Koch. Auch im 10-Jahresvergleich kehren die Privatkunden auf ein gewohntes Niveau zurück, nachdem sich ihre Zahlungsdauer im Vorjahr um zwei Tage verlängert hat.
Zahlungsdauer: Firmen, Länder und Gemeinden benötigen länger
Im Gegensatz zu den Privatkunden zeigen sich in allen anderen Kundengruppen teils deutliche Verschlechterungen. So hat sich die Zahlungsdauer der Firmenkunden (77 % bezahlen pünktlich) gegenüber dem Vorjahr um vier auf insgesamt 29 Tage erhöht und fällt damit so hoch wie zuletzt im Jahr 2019 aus. Im Bereich der Öffentlichen Hand (78 % bezahlen fristgerecht) liegt der Bund unverändert bei 36 Tagen, während die Länder (32 Tage) und die Gemeinden (27 Tage) jeweils einen Tag länger benötigen als in 2025. „Bund und Länder überschreiten das gesetzliche Zahlungsziel von 30 Tagen und verschärfen damit vielerorts die ohnehin schon angespannte finanzielle Situation der Betriebe zusätzlich. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wäre eine gute Vorbildwirkung besonders wichtig“, so Koch. Als Hauptgrund für verspätete Zahlungen seitens der Öffentlichen Hand wird zum überwiegenden Teil die Ineffizienz in der Verwaltung (65 %) genannt.
Zukunftssorgen belasten Prognose
Während insgesamt 53 Prozent der Befragten 2027 eine unverändert gute bzw. verbesserte Zahlungsmoral erwarten, blickt ein Drittel (31 %) sorgenvoll ins kommende Jahr und rechnet mit einer Verschlechterung. Pessimistische Signale kommen etwa aus der Gastronomie/Beherbergung oder dem Sektor Verkehr/Lagerei, eher positiv gestimmt sind u.a. Handelsunternehmen und produzierende Betriebe. In den Bundesländern ist die Angst vor einer verschlechterten Zahlungsmoral in Oberösterreich (42 %) besonders stark ausgeprägt, während Salzburg mit Abstand am positivsten (68 %) auf das Zahlungsverhalten im kommenden Jahr blickt.
Zur Umfrage: Im Rahmen des Austrian Business Checks befragt der KSV1870 zweimal pro Jahr Unternehmen in Österreich, wie es um ihre wirtschaftliche Situation bestellt ist. An der aktuellen Umfrage, die gemeinsam mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent durchgeführt wurde, haben im August 2026 rund 1.000 Unternehmen teilgenommen.