Trotz guter Ergebnisse gibt es gewisse Schmerzpunkte

Während vielen Unternehmen die wirtschaftlich mageren Jahre tief in den Knochen stecken, bleibt das Zahlungsverhalten in Österreich stabil. Trotzdem gibt es gewisse Schmerzpunkte, wie Walter Koch, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH, erklärt.  

Interview: Markus Hinterberger  

Österreichs Wirtschaft steckt in der Krise, dennoch verschlechtert sich das Zahlungsverhalten nur punktuell. Warum ist das so?  

Angesichts der anhaltend schwierigen Lage waren wir heuer besonders gespannt, wie die Ergebnisse unseres Austrian Business Checks ausfallen würden. Und ich muss gestehen, dass wir selbst etwas überrascht waren. Auffallend ist vor allem, dass jene, die bereits in der Vergangenheit verspätet bezahlt haben, jetzt zum Teil noch länger benötigen, um ihre Rechnungen zu begleichen. Generell sind die Menschen in Krisenzeiten aber besonders sparsam und fokussieren auf ihre Fixkosten. Zudem trägt das deutlich eingeschränkte Konsumverhalten dazu bei, dass die Zahlungsmoral gegenwärtig stabil ist.  

Wo liegen die Gründe für die Verschlechterungen?  

Im Bereich der verspäteten Zahlungen kommt es aktuell zu mehr Komplettausfällen als noch vor einem Jahr. Jene, die nicht pünktlich bezahlen, begleichen ihre Rechnungen häufiger überhaupt nicht mehr, sodass diese Forderungen zur Gänze abgeschrieben werden müssen. Das schmerzt. Weiters fällt auf, dass sich die Zahlungsdauer der Privatkunden um zwei Tage erhöht hat. Zwar wird zumeist nach wie vor pünktlich bezahlt, doch die Zahlungsziele werden seitens der Privaten vermehrt ausgereizt. Diesen Umstand führen wir in erster Linie auf das anhaltend hohe Kostenniveau zurück und dass die monatlichen Ausgaben häufig nur haarscharf mit dem Haushaltseinkommen gedeckt werden können.  

Wie gehen die Unternehmen mit dieser Situation um?  

Im Hinblick auf ihre Privatkunden buchen fast 30 % der Betriebe offene Forderungen schneller aus, als sie das in der Vergangenheit getan haben. Vor allem deshalb, weil ihrer Meinung nach die Chancen auf Einbringlichkeit geringer geworden sind. Das ist jedoch der falsche Ansatz. Denn viele Betroffene kommen ihren Forderungen – zumindest teilweise – sehr wohl nach, wenn auch zu einem späteren Zeitpunkt. Insbesondere für jene 25 % der Unternehmen, die laut Umfrage das laufende Geschäftsjahr nur mit einer „schwarzen Null“ abschließen, können gröbere Zahlungsausfälle rasch zur Existenzfrage werden. Sie sollten sich daher genau überlegen, ob sie offene Forderungen frühzeitig ausbuchen.  

Welche Tipps können Sie aus der Ecke des Forderungsmanagements geben? 

Auch wenn das Zahlungsverhalten zum jetzigen Zeitpunkt mehrheitlich stabil ist, steigt die Gefahr einer Verschlechterung mit jedem Tag, an dem es zu keiner wirtschaftlichen Entspannung kommt. Solange sich daran nichts wesentlich ändert, hängen die hohen Kosten wie ein Damoklesschwert über allem. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist es entscheidend, rasch Inkassomaßnahmen zu ergreifen, sobald eine Rechnung nicht fristgerecht bezahlt wird. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Chance, doch noch sein Geld zu erhalten, mit jedem Tag schwindet, an dem keine Schritte im Rahmen eines professionellen Forderungsmanagements gesetzt werden.  

 

Aus dem Magazin forum.ksv - Ausgabe 04/2025.