Finanzbildung: Wir sprechen sehr wohl über Geld

Finanzielle Entscheidungen prägen Lebenswege. In unserem täglichen Arbeiten sehen wir immer wieder, dass finanzielle Möglichkeiten überschätzt und daraus resultierende Konsequenzen unterschätzt werden. Das muss nicht sein – und genau deshalb ist Finanzbildung ein fixer Bestandteil unserer Corporate-Social-Responsibility-Strategie.

Wir arbeiten täglich mit den wirtschaftlichen Realitäten von Unternehmen und Privatpersonen. Zahlungsausfälle, Überschuldung und Insolvenzen sind keine theoretischen Konstrukte, sondern die harte Realität. Vor einigen Jahren mussten wir auch einen besorgniserregenden Trend im Internet beobachten. Unter dem Hashtag „Ich wette, niemand kann meine Klarna-Schulden toppen“ prahlten Jugendliche in den sozialen Medien mit ihrer finanziellen Schieflage. Mittlerweile zeigt sich, dass „Buy now, pay later“ (kurz BNPL) weit mehr als ein kurzfristiger Trend ist.

Darüber hinaus belegen interne Analysen, wie früh finanzielle Fehlentscheidungen eintreten können. Eigene Auswertungen des KSV1870 zeigen, dass bereits 27 Prozent der Inkassoforderungen an Privatpersonen die Altersgruppe bis 30 Jahre betreffen. Auch bei Privatkonkursen lässt sich beobachten, dass das persönliche Verschulden als Insolvenzursache bei den unter 40-Jährigen deutlich häufiger in Erscheinung tritt als bei den über 40-Jährigen. Unter „persönlichem Verschulden“ verstehen wir die Überschätzung der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit, problematisches, teils überbordendes Konsumverhalten oder spekulative Entscheidungen. Hinter all diesen Zahlen stehen strukturelle Muster und genau hier setzt Finanzbildung an.

Finanzbildung als gesellschaftliche Verantwortung

Als Gläubigerschutzverband verstehen wir uns auch als Akteur mit gesellschaftlicher Verantwortung und setzen dort an, wo wir Anknüpfungspunkte mit unserer eigenen Geschäftstätigkeit sehen – das ist im Umgang mit Geld. Ich werde häufig gefragt, warum wir uns ausgerechnet im Bereich Finanzbildung engagieren und ob wir damit unser „Geschäft ruinieren“. Als österreichische Wirtschaftsplattform setzen wir uns für eine sichere und faire Wirtschaft ein – das beginnt bei Fragen der Risikoabwägung und reicht bis zur professionellen Abwicklung von Insolvenzverfahren. Ökonomische Stabilität kann aber nur dort entstehen, wo Menschen Zusammenhänge verstehen und finanzielle Entscheidungen bewusst treffen können. Finanzbildung leistet dazu einen entscheidenden Beitrag, insbesondere dann, wenn sie früh ansetzt. Aus diesem Verständnis heraus ist Finanzbildung nicht nur fest in unserer CSR-Strategie verankert, sondern wir leben sie auch.

Was der KSV1870 konkret tut

Ein Schwerpunkt unseres Engagements sind Schulbesuche in ganz Österreich. Allein im vergangenen Jahr besuchten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KSV1870 über 30 Schulen im Land. Die Inhalte variieren je Schulstufe und reichen von grundlegenden Fragen wie „Was kann ich mir leisten?“ über Bonität und Risikoprüfung und Inkasso bis hin zu Fragen zu Unternehmens- und Privatinsolvenzen. In den Schulen sind Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen des KSV1870 im Einsatz. Dadurch können wir eine große Bandbreite an Geldthemen altersgerecht abdecken. Dabei ist es uns besonders wichtig, dass diese Inhalte praxisnah vermittelt werden. 

In den Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen

Wenn ich selbst mein Büro gegen das Klassenzimmer tausche, beginne ich meist mit einer einfachen Frage: Was möchtet ihr euch später einmal leisten können? Wohnung, Auto, Reisen – die Antworten kommen schnell. Spannend wird es, wenn wir gemeinsam eine Haushaltsrechnung aufstellen. Fixkosten, variable Ausgaben, ein realistisches Einkommen. Der Aha-Moment entsteht oft dann, wenn die monatlichen Kosten plötzlich höher sind als das angenommene Einkommen. Besonders beeindruckend finde ich, dass die Schülerinnen und Schüler dann selbst beginnen, Lösungen vorzuschlagen, etwa Einsparungen bei variablen Kosten. Genau hier „passiert“ Finanzkompetenz.

Starke Partnerschaften

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsuniversität Wien. Im Rahmen einer Lehrveranstaltung am Institut für Wirtschaftspädagogik wird im Sommersemester das gesammelte Fachwissen des KSV1870 gebündelt weitergegeben – heuer zum bereits dritten Mal. Ziel ist es, angehende Pädagoginnen und Pädagogen mit praxisnahem Finanzwissen auszustatten und damit einen nachhaltigen Multiplikatoreffekt zu erzielen. Ergänzend dazu unterstützt der KSV1870 das Projekt „Finanzbildungscoaches“, bei dem Studierende kostenfreie Workshops an Schulen durchführen. Seit 2019 kooperiert der KSV1870 zudem mit Teach For Austria. Zum einen unterstützen wir die Ausbildung von Lehrkräften, den sogenannten Fellows. Zum anderen besuchen wir jährlich einige Fellows, um den Unterricht zu übernehmen. 

Eine kürzlich durchgeführte Markenstudie hat gezeigt, dass unser Engagement im Bereich Finanzbildung viele Menschen positiv überrascht. Für uns ist das Bestätigung und Auftrag zugleich. Denn: Finanzbildung wird den KSV1870 auch künftig begleiten, um junge Menschen vor Überschuldung zu schützen.