Eine stagnierende Geschäftslage, anhaltend hohe Kosten und eine ausgeprägte Konsumflaute prägen die aktuelle Situation.
Wien, 29.04.2026 – Die aktuelle Geschäftslage der heimischen Unternehmen ist weiterhin deutlich zu niedrig und einen Aufschwung erwarten sie nicht. Nur 48 Prozent der Betriebe bewerten ihre gegenwärtige wirtschaftliche Situation mit „sehr gut“ oder „gut“. Das sind zwar um fünf Prozentpunkte mehr als im Frühjahr 2025, dennoch liegt dieses Ergebnis deutlich unter jenem aus Vorkrisenzeiten – hier liegt der Referenzwert bei mindestens 60 Prozent. Infolgedessen denkt jedes sechste Unternehmen (17 %) darüber nach, zumindest einzelne Geschäftsbereiche ins Ausland zu verlagern. Und: Nur sechs Prozent der befragten Industrieunternehmen sind mit der seitens der Bundesregierung präsentierten „Industriestrategie Österreich 2035“ zufrieden. Das geht aus der aktuellen Austrian-Business-Check-Umfrage hervor. Als größte Herausforderungen nennen die Befragten das hohe Kostenniveau, die geringe Nachfrage und den Fachkräftemangel.
„Österreichs Wirtschaft ist seit einigen Jahren von einer sanften, aber stetigen Erosion geprägt. Ein Aufschwung wird von den Unternehmen für unser Hochpreisland kaum erwartet, denn eine Krise jagt die nächste und es scheint kein Ende in Sicht. Aktuell befeuert die Perspektivlosigkeit aufseiten der Betriebe Exitszenarien und es droht die Gefahr, mehr und mehr ins Mittelfeld abzurutschen“, erklärt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG, im Rahmen eines Pressegesprächs vor Journalisten. Laut aktueller KSV1870 Umfrage sind lediglich 48 Prozent (2025: 43 %) der Unternehmen mit ihrer gegenwärtigen Geschäftslage zufrieden. Zudem erwartet nur jeder fünfte Betrieb (22 %), dass sich die Lage im Jahr 2026 entscheidend verbessern könnte. Während 85 Prozent der Finanz- und Versicherungsdienstleister positiv (Sehr gut/gut) bewerten, sind es im Bereich Gastronomie/Beherbergung nur 35 Prozent. „Die Gastronomie hat sich zum größten Problem-Hotspot des Landes entwickelt. Auch deshalb, weil in diesem Segment hohe Betriebskosten auf eine Vielzahl struktureller Probleme, wie geringe Margen, weniger Konsum und starke Konkurrenz, aufeinandertreffen. Das zeigt sich auch bei den Insolvenzzahlen“, so Vybiral.
17 Prozent diskutieren Verlagerung ins Ausland
Die vergangenen Jahre sind zu einer Belastungsprobe für viele heimische Unternehmen geworden. Vor allem die hohen Kosten, die bestehende Konsumflaute und die schwierige Personalsuche machen den Betrieben zu schaffen. Wie die KSV1870 Umfrage nun belegt, gibt es angesichts der bestehenden Rahmenbedingungen bereits in jedem sechsten Betrieb (17 %) Überlegungen, zumindest einzelne Geschäftsbereiche oder größere Prozesse bzw. Projekte innerhalb der nächsten drei Jahre ins Ausland zu verlagern. „Das Ergebnis untermauert die große Unzufriedenheit der Unternehmen mit der aktuellen Situation. Gelingt es den politischen Entscheidungsträgern des Landes nicht, die Unternehmen wesentlich zu entlasten, besteht in naher Zukunft die Gefahr einer Abwanderungsbewegung und der Verlust von Arbeitsplätzen. Angesichts der schon jetzt hohen Zahl an arbeitssuchenden Menschen, sollte dieses Schreckgespenst besser in der Kiste bleiben“, so Vybiral. Insbesondere in der Industrie bzw. in der Warenproduktion, im Grundstücks- und Wohnungswesen und im Bereich Telekommunikation/IT gibt es überdurchschnittlich viele Unternehmen, die über einen solchen Schritt nachdenken.
Erzielte Umsätze verfehlen Wirkung
Die Umsatzentwicklung hat sich laut Austrian Business Check im Vorjahr sehr unterschiedlich dargestellt. Während 33 Prozent der Betriebe von einer rückläufigen Entwicklung sprechen und weitere 23 Prozent eine maximal gleichbleibende Umsatzentwicklung vorweisen können, haben sich bei 44 Prozent die Umsätze erhöht – u.a. bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern und im Gesundheits- und Sozialwesen. Doch selbst Letztere mussten angesichts des enormen Kostendrucks im Vergleich zu früher Gewinneinbußen hinnehmen, weshalb das Umsatzplus zum Teil auch wieder verpufft ist. „Anhand der Umsatzergebnisse zeigt sich, auf welch schmalen Grat sich die Unternehmen aktuell bewegen. Getrieben von einem hohen Kostenniveau wird es immer schwieriger, Gewinne zu erzielen und ein Geschäftsjahr positiv abzuschließen“, so Vybiral. Zudem fällt die Prognose für das Jahr 2026 ernüchternd aus: Lediglich 27 Prozent der Betriebe erwarten, dass sich ihre Umsätze gegenüber dem Vorjahr verbessern werden.
Auftragslage 2025: Nur ein Drittel spricht von Anstieg
Im Vergleich zum Jahr 2024 hat sich die Zahl der Aufträge im Vorjahr sehr unterschiedlich entwickelt. Während 36 Prozent von einem Anstieg sprechen, verzeichnen 31 Prozent ein gleichbleibendes Ergebnis. Bei weiteren 33 Prozent hat sich die Auftragslage sogar rückläufig entwickelt. Erfreulich ist, dass neben den Finanz- und Versicherungsdienstleistern (66 %) auch Betriebe der Warenproduktion (48 %) einen Anstieg verzeichnet haben – eine Branche, die in den vergangenen Jahren häufig mit einer schwierigen Auftragslage zu kämpfen hatte. Dem gegenüber steht etwa der Handel, in dem 40 Prozent der Unternehmen von einer rückläufigen Entwicklung sprechen – hier scheint die Konsumflaute anhaltende Spuren zu hinterlassen. Etwas besser als im Vorjahr präsentiert sich die Auftragslage seit Jahresbeginn in Österreich: Immerhin 43 Prozent der Betriebe sind im Moment zufrieden – dabei sticht Oberösterreich (54 %) hervor. Gänzlich anders ist die Lage in Kärnten, wo 36 Prozent von einer rückläufigen Entwicklung sprechen. Das Bundesland ist damit Schlusslicht.
„Industriestrategie Österreich 2035“ durchgefallen
Im Rahmen der Umfrage wurden die Industrieunternehmen gefragt, wie sie die Anfang des Jahres seitens der Bundesregierung vorgestellte Industriestrategie einstufen. Das Ergebnis: Nur sechs Prozent sind mit ihr zufrieden, während jeweils 47 Prozent mit „mittelmäßig“ bzw. „unzufrieden“ geantwortet haben. Am häufigsten fehlen den Unternehmen ein konkreter Plan zur Kostensenkung und nachhaltige Maßnahmen zur Entbürokratisierung. „Für Österreichs Industrieunternehmen ist der vorgelegte Plan zu unkonkret. Er enthält keine ausreichenden Maßnahmen, wie es gelingen soll, die Industrie langfristig auf die Überholspur zu bringen“, so Vybiral. Tendenziell positiver werden hingegen die kürzlich abgeschlossenen Freihandelsabkommen, wie etwa das EU-Mercosur-Abkommen oder das EU-Indien-Abkommen gesehen. Immerhin 36 Prozent sehen in diesem Zusammenhang einen positiven Einfluss auf die zukünftige Wirtschaftsentwicklung im Land und nur 27 Prozent einen negativen.
Zur Umfrage: Im Rahmen des Austrian Business Checks befragt der KSV1870 zweimal pro Jahr Unternehmen in Österreich, wie es um ihre wirtschaftliche Situation bestellt ist. An der aktuellen Umfrage, die gemeinsam mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent durchgeführt wurde, haben im März 2026 rund 1.100 Unternehmen teilgenommen.
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