Schlechte Zeiten für Investitionen

Der Großteil der Unternehmen befindet sich unverändert im Sparmodus, finanzieren kurzfristig und stellen Zukunftsprojekte zurück.

KSV1870 Infografik Austrian Business Check zur Finanzlage Österreichs Unternehmen 2026
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Wien, 29.04.2026 – 85 Prozent der Betriebe verfolgen unverändert einen klaren Sparfokus – das sind um fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Angesichts dieser betrieblichen Ausrichtung ist eine großflächige Investitionsbereitschaft weiterhin nicht in Sicht. Lediglich jeder fünfte Betrieb will 2026 Geld für Investments in die Hand nehmen – insbesondere die Digitalisierung bzw. die Implementierung von Künstlicher Intelligenz (59 %) stehen dabei im Mittelpunkt. 90 Prozent der Investitionen erfolgen lediglich im geringen oder maximal moderaten Ausmaß. Dazu wird am häufigsten auf Eigenmittel (68 %) zurückgegriffen, finanziert wird aus dem Cashflow. Das geht aus der aktuellen Austrian-Business-Check-Umfrage des KSV1870 hervor.

„Die Unternehmen reagieren auf die wirtschaftlichen Herausforderungen mit einem klaren Sparkurs. Sie bewältigen damit aktuelle Krisensituationen und schützen ihre Substanz so gut es geht. Investitionen, Kreditverbindungen, längerfristige Projekte – sprich, alles was Verbindlichkeiten für die Zukunft darstellen – werden vermieden. Kurzum: Die Betriebe leben im Jetzt“, erklärt Günther Fasching, Prokurist der KSV1870 Information GmbH. Auch wenn globale Krisenherde das Finanzmanagement der österreichischen Unternehmen dominieren, weisen sieben von zehn Unternehmen (68 %) eine insgesamt stabile wirtschaftliche Struktur auf, 21 Prozent von ihnen sogar sehr stabil. „Die finanzielle Vorsicht der Unternehmen in den vergangenen Jahren und die Zurückhaltung bei Investitionen ist zwar kein Zukunftsmodell, zeigt aber kurzfristig Wirkung“, so Fasching.

Bonität: Tendenz Richtung Mittelmaß

Eine Analyse der Ratingklassen aus der KSV1870 Wirtschaftsdatenbank zeichnet ein ähnliches Bild. Zwar befinden sich 87 Prozent der Unternehmen nach wie vor in einer Ratingklasse mit geringem Risiko, jedoch gibt es innerhalb dieser Klassen Verschiebungen nach unten: Unternehmen aus der 2er Klasse sind in die 3er und 4er Klasse abgerutscht. „Die Bonität hat sich im Laufe der Krisenjahre tendenziell Richtung Mittelfeld bewegt. Solche Bewegungen sind aufgrund der großen Menge der Unternehmen in unserer Datenbank eher selten und belegen, dass die Wirtschaft unter Druck ist“, so Fasching.

Ratingklassen    2019 in %2025 in %
100-199    0,02   0,01
200-299   15,37  12,57
300-399    72,12   74,44
400-499    11,70   12,38
500-599    0,26  0,23
600-699    0,12 0,06
700    0,41    0,31


Starke Finanzdisziplin: Sparmodus ist weiterhin aktiv

Aktuell befinden sich 85 Prozent (2025: 80 %) der Unternehmen im Sparbetrieb – das sind fünf Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. 14 Prozent (2025: 13 %) von ihnen haben derzeit ein „offizielles“ Sparprogramm installiert, weitere 71 Prozent (2025: 67 %) „sparen im laufenden Betrieb“. Zu jenen innerbetrieblichen Bereichen, die von Sparmaßnahmen häufig betroffen sind, zählen der Einkauf, das Energiemanagement und der Bereich Kommunikation/Werbung/Events. Dabei geht es auch um Sparpotenzial, das kurzfristig umgesetzt werden kann. Den größten Anteil an Unternehmen im Sparmodus verzeichnen die wissenschaftlichen/technischen Dienstleistungen – dazu zählen u.a. Architekturbüros, Forschung & Entwicklung, Rechts-/Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, der Bereich Werbung/PR/Marktforschung und Unternehmensberater. Demgegenüber stehen Unternehmen aus den Sektoren „Erziehung und Unterricht“ (37 %) sowie aus dem Gesundheits- und Sozialwesen (30 %), die am häufigsten ohne Sparmaßnahmen auskommen. 

Fehlanzeige: Investments lassen auf sich warten

Unter dem massiven Kostenmanagement leidet auch die Investitionsbereitschaft in den Unternehmen. Lediglich 18 Prozent (2025: 16 %) der Betriebe planen im Jahresverlauf konkrete Investments zu tätigen. Für weitere 35 Prozent (2025: 40 %) sind diese eine Frage der wirtschaftlichen Machbarkeit, während 47 Prozent (2025: 44 %) etwaige Investitionen bis Jahresende kategorisch ausschließt. Am ehesten sind Investments im Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleister, dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Grundstücks- und Wohnungswesen geplant. Von jenen Unternehmen, die heuer tatsächlich investieren möchten, sagen jedoch nur zehn Prozent an, dass sie das „in hohem Ausmaß“ tun wollen. Ähnlich wie im vergangenen Jahr spricht die deutliche Mehrheit (90 %) von Investitionen in geringem (38 %) oder maximal moderaten Ausmaß (52 %).

Digitalisierung im Fokus

Auf die Frage, was die aktuell wichtigsten Motive für Investitionen sind, haben 59 Prozent die Digitalisierung bzw. Implementierung von Künstlicher Intelligenz auf Platz eins gesetzt. „Auch wenn Österreichs Unternehmen derzeit nur in bescheidenem Ausmaß investieren, lässt sich zumindest ein klarer Fokus erkennen. Die Digitalisierung ist für die allermeisten Branchen ein zentraler Faktor, wenn es um die Frage der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit geht, insofern sind Investitionen in diesem Bereich zu begrüßen“, so Fasching. Darüber hinaus wird aktuell am ehesten in Maßnahmen zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit (34 %) investiert. Am dritthäufigsten wurden „Reine Ersatzinvestitionen“ (31 %) genannt, die getätigt werden müssen, weil bisherige Lösungen, etwa Produktionsmittel) nicht mehr funktionieren – sie dienen vor allem dem Erhalt von Bestehendem.

Cashflow gewinnt in Finanzierungsfragen an Bedeutung

Nach wie vor wird ein Großteil der Investments in Österreich aus Eigenmitteln (68 %) finanziert – daran hat sich seit Jahren nichts Grundlegendes geändert. Auffallend ist jedoch, dass die Finanzierung mittels Cashflows in den vergangenen zwölf Monaten um neun Prozentpunkte auf 46 Prozent zugelegt hat. Überdurchschnittlich häufig wird diese Finanzierungsart in der Gastronomie/Beherbergung (56 %) gewählt. Ein Grund ist, dass in der Gastronomie täglich Geld fließt, wodurch ein stetiger Cashflow entsteht, der unmittelbar für zumindest kleinere Investments genutzt werden kann. Auf Position drei liegen, wie zuletzt Bankkredite (22 %), wobei die aktuelle KSV1870 Umfrage einmal mehr zeigt, dass auch in diesem Jahr die deutliche Mehrheit auf einen Kreditantrag verzichtet – lediglich neun Prozent haben einen solchen für 2026 fest eingeplant. Weitere 15 Prozent haben in dieser Frage noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Es ist also durchaus möglich, dass die Marke von jenen 20 Prozent, die im Vorjahr einen Kredit beantragt haben, heuer nicht erreicht wird. Auch, weil zwei Drittel der Befragten den Prozess der Kreditaufnahme als unverändert schwierig bewerten.

Zur Umfrage: Im Rahmen des Austrian Business Checks befragt der KSV1870 zweimal pro Jahr Unternehmen in Österreich, wie es um ihre wirtschaftliche Situation bestellt ist. An der aktuellen Umfrage, die gemeinsam mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent durchgeführt wurde, haben im März 2026 rund 1.100 Unternehmen teilgenommen.

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