Skigebiete: Weiße Pisten, rote Zahlen

Milde Winter, weniger Betriebstage und eine geringe Auslastung sorgen dafür, dass vor allem für kleinere Skigebiete der Kampf um die Besucher zum Existenzkampf verkommt. Insbesondere Betriebe in touristischen Randlagen können angesichts fehlender Infrastruktur häufig nicht mehr Schritt halten. Die Folge: Insolvenzen.  

Text: Markus Hinterberger  

Mit 72,2 Millionen Nächtigungen und einem Plus von 1,6 % gegenüber der Vorsaison hat die Österreich Werbung der heimischen Wintersaison 2024/25 ein „insgesamt erfolgreiches“ Zeugnis ausgestellt. Dazu kommen 87.000 Fans bei den diesjährigen Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel und nochmal rund 35.000 Skibegeisterte wenige Tage später bei den Weltcup-Rennen in Schladming – plus ein Millionenpublikum vor den TV-Geräten. Österreich ist also unverändert eine große Wintersportnation, obwohl die finanzielle Lage vieler Privathaushalte heute angespannter ist als noch vor einigen Jahren und Skifahren eine hochpreisige Freizeitgestaltung ist. Also alles eitel Wonne. Oder doch nicht?  

Skifahren allein reicht nicht. 

Die Top-Player können ihre Schneekanonen […] rund um die Uhr nutzen und schaffen damit perfekte Skiverhältnisse. Das ist ein großer Pluspunkt, denn die Gäste buchen dort, wo der Pistenspaß garantiert ist.

Nicht ganz. Wer genauer in die Zahlen blickt, erkennt starke regionale Unterschiede. „Insbesondere kleinere Skigebiete und deren Liftanlagenbetreiber sind zuletzt immer wieder an ihre wirtschaftlichen Grenzen gestoßen. Sie stehen vermehrt in touristischen Randlagen und können mit den Top-Destinationen in puncto Infrastruktur, Pistenkilometer, Gastronomie und Entertainment nicht mithalten“, fasst Klaus Schaller, KSV1870 Standortleiter Innsbruck, zusammen. Und damit beginnt sich die Negativspirale zu drehen. Denn eine zu geringe Auslastung verursacht nicht nur ein Minus in der Kasse, sondern sorgt auch dafür, dass notwendige Investitionen in die Infrastruktur ausbleiben. Dabei geht es um betriebsrelevante Maßnahmen, etwa die regelmäßige Beschneiung der Skipisten. „Die Top-Player können ihre Schneekanonen aufgrund ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten auch in Zeiten geringer Neuschneemengen rund um die Uhr nutzen und schaffen damit perfekte Skiverhältnisse. Das ist ein großer Pluspunkt, denn die Gäste buchen dort, wo der Pistenspaß garantiert ist“, so Schaller. 

Klima verschärft die Lage. 

Ein weiterer Aspekt ist das Klima: Viele der sogenannten Kleinen sind in niederen Lagen zu finden, wo höhere Temperaturen einen teils massiven Schneemangel verursachen – und damit das Skivergnügen regelrecht trockenlegen. „Aufgrund fehlenden Niederschlags verkürzt sich in flacheren Regionen die Saison mitunter so stark, dass es für die Liftbetreiber immer schwieriger wird, positiv zu wirtschaften“, sagt Petra Wögerbauer, KSV1870 Standortleiterin in Linz. Und sollten die Temperaturen doch kalt genug sein, um Kunstschnee zu produzieren, dann belastet der hohe Energiebedarf die Finanzlage des örtlichen Betreibers.  

Insolvenzen sind nicht zu vermeiden. 

Angesichts dieser Rahmenbedingungen mussten in der jüngeren Vergangenheit Betreibergesellschaften kleinerer Skigebiete Insolvenz anmelden. So geschehen etwa im Skigebiet Kasberg (Oberösterreich) oder in Gaißau-Hintersee (Salzburg). Dabei zeigen sich ähnliche Insolvenzgründe: „Fehlende bzw. veraltete Beschneiungsanlagen aufgrund zu geringer Investitionsmöglichkeiten, eine in die Jahre gekommene Lifttechnik und ein generell hoher Investitionsbedarf, der nicht mehr zu stemmen war. Dazu kommen fehlende Zukunftsaussichten, wodurch etwa Hotelprojekte nicht umgesetzt werden“, bringt Wögerbauer die Problematik auf den Punkt. Gerade für kleinere Skigebiete wäre es daher sinnvoll, mit anderen Gebieten einen Schulterschluss zu bilden – auch, um den Konkurrenzkampf einzudämmen. 

Mehr Erfolg durch Synergien.

Eine Zusammenlegung mit anderen Skigebieten wäre auch im Falle des Skigebiets Kasberg ein mögliches Szenario. Zu Beginn des Insolvenzverfahrens standen laut Wögerbauer zunächst zwei Optionen zur Diskussion: „Einerseits wurde über die vollständige Schließung und Verwertung der Assets inklusive Rückbau der Anlagen nachgedacht. Parallel dazu gab es aber auch die Möglichkeit einer Unternehmensverpachtung und Überlassung der Betriebsführung an die Pachtgesellschaft Kasberg Betriebs GmbH.“ Im Gläubigerausschuss entschied man sich schlussendlich für die zweite Variante. Auch, um mithilfe des Fortbetriebs Arbeitsplätze zu sichern, die nicht nur für jeden Einzelnen, sondern für die ganze Region essenziell sind.  Wie es den Anschein hat, dürfte diese Entscheidung richtig gewesen sein, denn: „Aktuell laufen Gespräche, um auszuloten, auf welcher Basis das Familienskigebiet in die Seilbahnholding des Landes Oberösterreich eingegliedert werden könnte. Infolge einer möglichen Übernahme könnten Synergieeffekte einen größeren wirtschaftlichen Spielraum schaffen. Eine längerfristige Fortführung ist aktuell im Bereich des Möglichen“, so Wögerbauer.

Touristische Attraktivität hängt an Skigebieten.

Bei der insolvenzrechtlichen Abwicklung von Skigebieten bzw. deren Liftanlagenbetreibern kommen grundsätzlich dieselben rechtlichen Grundlagen zur Anwendung wie bei anderen Verfahren auch. Die Besonderheit liegt eher in der touristischen und wirtschaftlichen Bedeutung einzelner Skigebiete für die gesamte Region. Womit gleichzeitig jedoch auch zahlreiche wirtschaftliche und politische Akteure mitsprechen möchten. Unabhängig davon geht es aber auch in diesen Fällen um die Liquidität und um den rechtzeitigen Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung. Zweiteres ist gerade bei saisonalen Betrieben wesentlich, wie Schaller erklärt: „Während der Wintersaison wird nahezu der gesamte Jahresumsatz erwirtschaftet. Erfolgt eine Insolvenzanmeldung während oder unmittelbar nach Ende der Wintersaison, so kann sich das positiv auf die noch verfügbaren liquiden Mittel auswirken, was für einen möglichen Fortbetrieb, aber auch die Gläubiger wesentlich ist. Ganz anders sieht die Situation bei Verfahren aus, die im Sommer eröffnet werden. Da findet die Insolvenzverwaltung häufig gähnende Leere in den Kassen vor. Ein Fortbetrieb wird dann fast unmöglich.“ So geschehen im Falle des insolventen Skigebiets Gaißau-Hintersee. Damit also Skigebiete langfristig reüssieren können, braucht es frisches Geld, starke Partner und einen guten Plan, um Touristen in die Region zu locken.